Was darf ein Zeitungskommentar?

„Norderneyer Morgen“ heute: Ein Kommentar wie ein Tritt in den Unterleib

Das Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ Ausgabe 53/2009, hatte in seinem „Hohlspiegel“, in dem journalistische Fehlgriffe humorvoll auf die Schippe genommen werden, auf Seite 150 die Schlagzeile „Darmspiegelung macht wieder Spaß“ aus dem „Norderneyer Morgen“ zitiert. Kann passieren, dass man missverstanden wird, eigentlich: Schwamm drüber!

Was Verena Leidig in ihrem Kommentar „Wir sind nicht vor Gericht“ auf Seite 4 des „Norderneyer Morgens“, vom 28.01. 2010, als Redakteurin äußert, ist aber alles andere als die Bündelung etlicher, bei ihr immer wieder vorkommender Flüchtigkeitsfehler. Auch für Medienvertreter muss bei allem Vorbehalt gegenüber einzelnen Lokalpolitikern die Berufsehre dazu führen, dass man so objektiv wie es geht berichtet. Schreibt der Pressevertreter oder die Pressevertreterin zu dem Sachbericht auch noch einen Kommentar, macht er oder sie deutlich, dass hier eine persönliche Meinung vorgetragen wird. Dieser Kommentar darf, ja manchmal muss er sogar bissig sein. Aber auch hier gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

So führt Frau Leidig wortwörtlich in einer Passage aus: Der Bericht der Technischen Dienste (TDN) sei kein unabhängiges Gutachten, mäkelte Hayo Moroni. Er sei nicht von ausgewiesenen Fachleuten erstellt. Sein Fraktionskollege Manfred Plavenieks sprach sogar von einem „Auftraggebereffekt“ und unterstellte den TDN-Mitarbeitern damit korruptes Verhalten.

Das ist kein schmunzelnd zu registrierender Fauxpas wie „Darmspiegelung macht wieder Spaß“ (siehe oben). Bei dieser Darstellung handelt es sich um pure Meinungsmache ohne Rücksicht auf Wahrheitsgehalt. Hier wird, auch wenn es eine subjektive Darstellung in einem Kommentar ist, ein objektiv darzustellender Sachverhalt ins Gegenteil verkehrt. Im vorab: Ich war und bin überzeugt davon, dass die bei der Stadt Norderney bediensteten Arbeiter, Angestellten und Beamten ihre Berufe fast ausnahmslos nach bestem Wissen und Gewissen verrichten. Das dort, wo gearbeitet wird, auch Fehler gemacht werden, ist eine geläufige Binsenweisheit! Wer wollte mir, der sich selbst bei dem vorhergesagten einschließt, da ernsthaft widersprechen?

Ich habe, auch auf Nachfrage, während der genannten Sitzung ausgeführt, dass jedes Gutachten einem „Auftraggeber-Effekt“ unterliegt. Erklärend habe ich hinzugefügt, dass es immer darauf ankommt, was und wie man etwas dargestellt haben will: Beispielsweise sollen Mängel zielgerichtet beschrieben werden. Dabei kommt es darauf an, ob man sie als groß oder nur als klein betrachtet wissen will. Die Mitarbeiter der TDN haben sich mit ihrem Sachstandsbericht zweifelsohne größte Mühe gegeben. Gegenüber ihrem Dienstherrn, dem Bürgermeister, sind sie nun aber einmal weisungsabhängig. Die Politiker haben dieses bei Wahrnehmung ihrer verbrieften Kontroll- und Aufsichtspflicht gegenüber der Verwaltung gemäß Niedersächsischer Gemeindeordnung zu berücksichtigen. Das ich laut Frau Leidig den TDN-Mitarbeitern damit korruptes Verhalten unterstellt haben soll, lässt mich an deren gesunden Wahrnehmungsfähigkeit, ausreichenden Rechtskunde und ihrer journalistischen Fairness zweifeln.

Hat die Kommentarschreiberin ernsthaft überlegt, was der Vorwurf der Korruption beinhaltet, nämlich Bestechung und Bestechlichkeit, Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung? Hier ist etwas mit flüchtiger Feder oder Druck auf die Tastatur des Computers geschrieben worden, was leider, leider der Wahrnehmung gebührender journalistischer Sorgfaltspflicht entbehrt.

Die „spaßmachende Darmspiegelung“ lässt grüßen.

Manfred Plavenieks,
Ratsherr (FWN).

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