Der Bebauungsplan Nr. 63 „Am Westbad“, Neuaufstellung

In der Begründung der Verwaltung heißt es:  „Für den Bereich des ehemaligen Freibades wurde die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen, der eine Freizeitnutzung (Anm. d.V.: Spielplatz-, Freizeiteinrichtungs- sowie Badeplatz- und Hochstrandnutzung) langfristig festlegt und auch die kurzfristige (fünfjährige, Anm. d.V.) Umsetzung des Hochseilgartens ermöglicht.

Der Plan berücksichtigt gleichzeitig die verkehrsmäßige Anbindung der Gebäude Am Weststrand, im Fall der Entwicklung von Küstenschutzmaßnahmen hinter den bestehenden entlang der des Promenade.
Um die Rechtskräftigkeit des Bebauungsplanes zu erlangen, ist neben dem eigentlichen Satzungsbeschluss die Abwägung über die eingegangenen Stellungnahmen durch den Rat der Stadt Norderney vorzunehmen.“

So weit, so gut.
Erstens: Auch der Verwaltung geht es also vorrangig nicht um die Gewährleistung des Baus eines Hochseilgartens, der ja ursprünglich nach den Anfangsplanungen sinnvollerweise auf dem Gelände des Kinder- und Jugendparkes an der Marienstraße entstehen sollte. Da der Bebauungsplan Nr. 63 städtebauliche Ziele benennen soll, wird hier also das langfristige Ziel der Freizeitnutzung genannt.
Zweitens: Bleibt also die kurzfristige Umsetzung des Hochseilgartens. Die Grundflächen des Bebauungsplanes Nr. 28, die südlich des ehemaligen Wellenfreibadgeländes liegen, lassen von den städtbebaulichen Zielen ohnehin schon eine Nutzung für Sportzwecke zu. Hier wäre also überhaupt keine Aufstellung nötig gewesen, um dort einen Hochseilgarten zu errichten. Dort soll er nach Willen der Verwaltung aber eben nicht hin.
Drittens: Angeblich wollte der zukünftige Betreiber des Hochseilgartens eine Anlage mit Meeresblick errichten, die bundesweit einmalig wäre. Keine schlechte Idee, zugegeben. Aber: Das Wellenfreibadgelände liegt in einer Senke auf einem äußerst niedrigen Niveau und war an diesem Ort von Beginn an eine absolute Fehlplanung. Das ständige Lösen der Fliesen wegen des Grundwasserdrucks und die erforderlichen jährlichen Reparaturarbeiten am Schwimmbecken sind Legende. Und nun kommt’s: Will der Betreiber Meeresblick garantieren, muss er eine Höhe der Anlage von ca. 8m erreichen.  Die FWN-Vertreter Hayo Moroni und Manfred Plavenieks haben sich vor Ort begeben und eine entsprechende Besichtigung durchgeführt. Siehe Fotos Nr. 1 bis 5.

  Foto 1: Blick vom Bademuseum aus in Richtung des geplanten Hochstrandes
Foto 2: Der noch dürftige Sandhaufen im Beckenbereich mit der ehemaligen Aufsichtsplattform.

Foto Nr. 3: Zum Beleg - der Blick von der Aufsichtskanzel Richtung Westen ganrantiert noch keinen
Meeresblick.

Soll das Gebiet zum Hochstrand mit Meeresblick entwickelt werden, muss eine Anhebung um ca. 7 m und die Angleichung an die westlich des ehemaligen Freibades liegende Düne stattfinden.  Bei einer Gesamtfläche von 4.800 Quadratmetern sind also ca. 34.000 Kubikmeter Sand aufzufahren. Der Hochseilgarten selbst erfordert eine Höhe von der jetzigen Beckenrandebene bis auf 8 m, um die anvisierte Nordseeansicht für dessen Besucher zu gewährleisten. Die Frage, ob eine fünfjährige Nutzungszeit die dazu entstehenden Kosten tatsächlich rechtfertigt, ist deshalb sicherlich erlaubt.

Die Ratsherren Moroni und Plavenieks sprechen sich deshalb für eine langfristige Renaturierung dieses Gebietes aus. Damals sind dem Wellenfreibad 6.000 Bäume der Schonung des seit 1836 bestehenden Argonnerwäldchens zum Opfer gefallen. Hier könnte endlich für eine schreckliche Umweltsünde der Vergangenheit Wiedergutmachung zum Wohle der Allgemeinheit geleistet werden. Mit dem zu erfolgenden Bau des „Poppe-Folkerts-Museums“ auf dem Malerturmgelände würde mit dem Bademuseum und dem Westbad als bevorzugtem Familienstrand eine in Deutschland einmalige und attraktive Natur-, Erholungs- und Kulturlandschaft entstehen, die zu den sicherlich notwendigen Spiel-, „Event“- und Unterhaltungsbereichen, von denen es auf der Insel mittlerweile mehr als genügend gibt, einen großartigen Kontrapunkt setzt, der seine Wirkung auf die Besucher der Insel und auf seine Einwohner nicht verfehlen wird. Hier lässt sich das Wattenmeer als Weltnaturerbe mit dem einmaligen Kulturerbe Norderneys, den Werken ihres Malers von nationalem Rang, Poppe Folkerts, mit erstklassiger Werbewirksamkeit großartig verbinden.

Bleibt also abzuwarten, wie der Rat der Stadt Norderney am Donnerstag entscheiden wird. Wir glauben, dass unsere Vorschläge es verdient hätten, seriös und ohne Vorbehalte diskutiert zu werden. Eine historische Tragweite, die gesehen werden kann, wenn man wirklich genau hinschaut.