“Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe)

Cui bono? – das ist die Frage, die man sich seit jeher stellen muss, wenn man eine Antwort darauf haben will, warum der eine oder andere finanz-, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Entscheidungsprozess gerade die und keine andere Entwicklung genommen hat.

Wem nutzt es? Das ist auch die Frage, die man sich immer wieder in dem so überschaubaren Bereich unserer Insel stellen muss, wenn es darum geht, die Lokalpolitik (hier insbesondere die Bau- und Bauplanungspolitik) zu verstehen.

Wir von der FWN stellen solche Fragen. Daraus machen unsere politischen Gegner ganz eilig ein: „Die stellen ALLES in Frage!“, wie in der Vergangenheit schon oft praktiziert und von der Presse oft wohlwollend durch entsprechende Kommentare sekundiert. Tatsächlich sind es aber gerade die Freien Wähler, die stets Alternativen aufgezeigt und angeboten haben.  Natürlich nicht ausschließlich zur Verteidigung von Partikularinteressen sondern des diesen übergeordneten Gemeinwohls.

Mit Goethe hat einer der größten deutschen Dichter die Konsequenz eines Reifeprozesses im menschlichen Leben wie in der Titelzeile korrekt beschrieben. Über vier Jahre Politik auf der Insel,  haben uns von den Freien Wählern aber eines gelehrt: Die Gewissheit, das politische Standhaftigkeit gegen jede Art von Anfeindungen der Schlüssel zum Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger ist.

Dazu eine Aussage eines berühmten und bewunderten Friedenspolitikers, der immer die wütende Gewalt der Machthabenden zu spüren bekam:

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“.
Mahatma Gandhi

Kommentar – Rückzug in Raten – Die Metamorphosen insularer Bau(planungs)politik

Gar erstaunliche Dinge gehen auf unserer schönen Insel vor, wenn man allein Presseartikel im „Ostfriesischen Kurier“ und im „Norderneyer Morgen“ vom heutigen Tage nimmt. Die Wandlungsfähigkeit einer hässlich fetten haarigen Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling nennt man gemeinhin Metamorphose (griech. Umgestaltung, Verwandlung, Umwandlung). Genau das passiert momentan u.a. mit den in der nahen Vergangenheit viel diskutierten Themen „Bunkergrundstücke in der Siedlung“ und „Abriss, Grundstücksverkauf oder Weiternutzung Haus der Insel“. Und die Zauberer, die dieses Kunststück fertigbringen, erwähnen dann den guten Willen, politische Weitsicht, geballtes Verwaltungswissen und weltläufige Einsicht, die dabei Pate gestanden haben. Und manche Karrieren zerplatzen wie Seifenblasen…

Die Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft Norderney nennen das „Propaganda“. Nach Wikipedia bezeichnet dieser Begriff einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion. Der Begriff „Propaganda“ wird vor allem in politischen Zusammenhängen benutzt; in wirtschaftlichen spricht man eher von „Werbung“, in religiösen von „Missionierung“. Die FWN ist davon überzeugt, dass der Bürger gerade in den genannten Themenbereichen stark sensibilisiert ist und damit auch „zwischen den Zeilen lesen kann“.

Auf ihrer Homepage: http://www.fw-norderney.net haben die Freien Wähler zu allen wichtigen Themen unter ihrem Generalmotto: BÜRGERNAH, UNABHÄNGIG, TRADITIONSBEWUSST ausgiebig Stellung bezogen. Um sich in der Inselpolitik kundig zu machen, muss der Leser, so wie ein Redakteur einst bissig bemerkte, sich dann allerdings durch „mehrere Meter Text scrollen“. Jedoch sind es auch über 50 Artikel, die in den letzten annähernd vier Jahren veröffentlicht worden sind. Um die Inselpolitik, sprich: die Metamorphosen (auch von Absichten und Meinungsbildern) also zu verstehen, lohnt sich ein intensives Studium dieser Texte. Diese Empfehlung gaben wir nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern sondern auch den Politikern, Verwaltungsverantwortlichen und den Redakteurinnen und Redakteuren der lokalen und regionalen Presselandschaft.

Manfred Plavenieks

Insel ohne Insulaner – Ausverkauf auf Deubel komm raus…

Insel ohne Insulaner – Heute Sylt, morgen Norderney?

In einem vierseitigen Artikel im Nachrichten-Magazin „DER SPIEGEL“ (32/2010), Titel: „Insel ohne Insulaner“, schildert der Autor Jürgen Dahlkamp in beeindruckender Weise den bevölkerungsmäßigen Niedergang unserer nordfriesischen Nachbarinsel Sylt, mit der unser Eiland Norderney mittlerweile so viele negative Gemeinsamkeiten hat. Im Untertitel ist vermerkt: „Nun ziehen die Inselgemeinden eine ernüchternde Bilanz: Die Sylter sterben aus, weil sich die Einheimischen ihre eigene Insel nicht mehr leisten können.“ Wörtlich heißt es u.a.: „Nach Jahrzehnten, in denen Sylts Lokalpolitiker das große Geld vom Festland wie selbstverständlich mitgenommen, die Macht des großen Geldes hingenommen haben, befällt sie jetzt zumindest das Erschrecken. Dass sie, so wie es aussieht, bald Bürgervertreter ohne Bürger sein werden. Eine Insel ohne Insulaner. Ein Robinson-Club für die angeschwemmten Fremden.“

Erkennbar wurde dieser Missstand, der bis zuletzt geleugnet wurde, durch die Einführung des Geografischen Informations- und Planungssystem Sylt (GRIPS). In 20 bis 30 Jahren wird die Gesamteinwohnerschaft der Insel von 20- bis 25.000 melderechtlichen Einwohnern auf maximal 10- bis 12.000 „echte Einwohner“ gesunken sein. Der Bürgervorsteher Dirk Ipsen schätzt, dass schon heute nur noch 12- bis 14.000 richtige Sylter ganzjährig auf der Insel leben.

Die Freien Wähler Norderneys fordern schon seit Jahren eine Offenlegung der Zahl an Ferienzweitwohnungen, die mittlerweile auf unserem Eiland durch das Phlegma des Großteils der altgedienten Lokalpolitiker geradezu rekordverdächtig geschaffen worden sind. Das unsere Insel in Spitzenzeiten zudem auch mittlerweile von Touristen restlos überlaufen ist, dürfte eigentlich niemand bestreiten können. Im Gegenteil: Stolz wird noch dargestellt, dass Norderney in der Sommersaison anzahlmäßig die „größte Stadt Ostfrieslands“ ist, – mit einer weiter steigenden Tendenz. 

Der jahrzehntelange Ausverkauf auf Sylt ähnelt dem auf Norderney, mit dem Unterschied, dass auf Norderney noch ein wenig lokalpolitischer Spielraum zur Verhinderung des Totalausverkaufs – zumindest in der Nordhelmsiedlung – besteht. Das empfinden unser Bürgermeister und die derzeitige Ratsmehrheit offensichtlich leider nicht so, zumindestens sehen sie keinen Handlungsspielraum mehr.  Gegen deren Widerstand fordert nur allein die FWN seit vier Jahren auf der Basis ihrer Wahlforderung von 2006: „Nördernee mutt in Nörderneer Hannen blieben“- zur Verhinderung des Totalausverkaufs auch unserer Insel vehement die konsequente Anwendung der bereits seit 1985 auf Norderney flächendeckend vorhandenen Erhaltungssatzungen unter Beachtung des Milieuschutzes und die weiter dazu notwendige Aufstellung von flächendeckenden Bebauungsplänen mit klaren Festlegungen der Wohnungsanzahlen pro Wohngebäude und Dauerwohnungen für Norderneyer mit erstem Wohnsitz und Lebenmittelpunkt auf Norderney, unter Ausschluß von Ferienzweitwohnungen mit Absicherungen durch städtebauliche Verträge, Baulasteinträge, Grundbucheintragungen usw.  – In Westerland will deren Stadtbaumeister, Wolfgang Knuth, ähnlich auch der weiteren FWN-Forderungen für Norderney mit den GRIPS-Daten ein Inselregister aufbauen und feststellen, wo es Siedlungen gibt, in denen noch 40 % der Häuser Erstwohnsitze sind. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte er, dass die Gemeinden dann besser als bisher auf den Milieuschutz pochen und Veränderungssperren gegen neue  Zweitwohnungen erlassen können. Auf Norderney laufen die Dinge jedoch weiterhin im Sinne der Immobilienspekulanten zu Lasten unserer Insel und unserer einheimischen Bevölkerung anders. So wurde noch heute, am 01.09.2010,  im Verwaltungsausschuss gegen die Stimme der FWN mehrheitlich die Auslegung eines Entwurfes des vorgesehenen vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 64 –  „Lüttje Legde“ beschlossen, in dem das Plangebiet laut Begründung als sogen. „Kurwohnzone für Beherbergung und Wohnen“ für ein Ferienappartmenthaus mit 7 (!) Ferien(zweit)wohnungen und einer weiteren Wohnung ausgewiesen ist. Entsprechendes ist zu erwarten, wenn das Vorhaben des Bürgermeisters über eine Umwandlung der gesamten Nordhelmsiedlung von einem Allgemeinen Wohngebiet ebenfalls in eine Kurwohnzone Wirklichkeit werden sollte. Das mahnende Beispiel Sylt findet keinerlei Beachtung. Diese Befürchtungen werden offensichtlich auch von den Parteien und Gruppen der derzeitigen Ratsmehrheit nicht geteilt.

Das Sylter Syndrom „Insel ohne Insulaner“ rückt somit näher ! Eine Wende dieser seit Jahrzehnten vorgenommenen Inselausverkaufpolitik durch die Stadt wird wohl erst durch die in einem Jahr stattfindende Kommunalwahl eintreten können, wenn die Insulaner endlich aufwachen und der allein ihre Interessen vertretenden FWN eine solide Ratsmehrheit verschaffen.