Insel ohne Insulaner – Ausverkauf auf Deubel komm raus…

Insel ohne Insulaner – Heute Sylt, morgen Norderney?

In einem vierseitigen Artikel im Nachrichten-Magazin „DER SPIEGEL“ (32/2010), Titel: „Insel ohne Insulaner“, schildert der Autor Jürgen Dahlkamp in beeindruckender Weise den bevölkerungsmäßigen Niedergang unserer nordfriesischen Nachbarinsel Sylt, mit der unser Eiland Norderney mittlerweile so viele negative Gemeinsamkeiten hat. Im Untertitel ist vermerkt: „Nun ziehen die Inselgemeinden eine ernüchternde Bilanz: Die Sylter sterben aus, weil sich die Einheimischen ihre eigene Insel nicht mehr leisten können.“ Wörtlich heißt es u.a.: „Nach Jahrzehnten, in denen Sylts Lokalpolitiker das große Geld vom Festland wie selbstverständlich mitgenommen, die Macht des großen Geldes hingenommen haben, befällt sie jetzt zumindest das Erschrecken. Dass sie, so wie es aussieht, bald Bürgervertreter ohne Bürger sein werden. Eine Insel ohne Insulaner. Ein Robinson-Club für die angeschwemmten Fremden.“

Erkennbar wurde dieser Missstand, der bis zuletzt geleugnet wurde, durch die Einführung des Geografischen Informations- und Planungssystem Sylt (GRIPS). In 20 bis 30 Jahren wird die Gesamteinwohnerschaft der Insel von 20- bis 25.000 melderechtlichen Einwohnern auf maximal 10- bis 12.000 „echte Einwohner“ gesunken sein. Der Bürgervorsteher Dirk Ipsen schätzt, dass schon heute nur noch 12- bis 14.000 richtige Sylter ganzjährig auf der Insel leben.

Die Freien Wähler Norderneys fordern schon seit Jahren eine Offenlegung der Zahl an Ferienzweitwohnungen, die mittlerweile auf unserem Eiland durch das Phlegma des Großteils der altgedienten Lokalpolitiker geradezu rekordverdächtig geschaffen worden sind. Das unsere Insel in Spitzenzeiten zudem auch mittlerweile von Touristen restlos überlaufen ist, dürfte eigentlich niemand bestreiten können. Im Gegenteil: Stolz wird noch dargestellt, dass Norderney in der Sommersaison anzahlmäßig die „größte Stadt Ostfrieslands“ ist, – mit einer weiter steigenden Tendenz. 

Der jahrzehntelange Ausverkauf auf Sylt ähnelt dem auf Norderney, mit dem Unterschied, dass auf Norderney noch ein wenig lokalpolitischer Spielraum zur Verhinderung des Totalausverkaufs – zumindest in der Nordhelmsiedlung – besteht. Das empfinden unser Bürgermeister und die derzeitige Ratsmehrheit offensichtlich leider nicht so, zumindestens sehen sie keinen Handlungsspielraum mehr.  Gegen deren Widerstand fordert nur allein die FWN seit vier Jahren auf der Basis ihrer Wahlforderung von 2006: „Nördernee mutt in Nörderneer Hannen blieben“- zur Verhinderung des Totalausverkaufs auch unserer Insel vehement die konsequente Anwendung der bereits seit 1985 auf Norderney flächendeckend vorhandenen Erhaltungssatzungen unter Beachtung des Milieuschutzes und die weiter dazu notwendige Aufstellung von flächendeckenden Bebauungsplänen mit klaren Festlegungen der Wohnungsanzahlen pro Wohngebäude und Dauerwohnungen für Norderneyer mit erstem Wohnsitz und Lebenmittelpunkt auf Norderney, unter Ausschluß von Ferienzweitwohnungen mit Absicherungen durch städtebauliche Verträge, Baulasteinträge, Grundbucheintragungen usw.  – In Westerland will deren Stadtbaumeister, Wolfgang Knuth, ähnlich auch der weiteren FWN-Forderungen für Norderney mit den GRIPS-Daten ein Inselregister aufbauen und feststellen, wo es Siedlungen gibt, in denen noch 40 % der Häuser Erstwohnsitze sind. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte er, dass die Gemeinden dann besser als bisher auf den Milieuschutz pochen und Veränderungssperren gegen neue  Zweitwohnungen erlassen können. Auf Norderney laufen die Dinge jedoch weiterhin im Sinne der Immobilienspekulanten zu Lasten unserer Insel und unserer einheimischen Bevölkerung anders. So wurde noch heute, am 01.09.2010,  im Verwaltungsausschuss gegen die Stimme der FWN mehrheitlich die Auslegung eines Entwurfes des vorgesehenen vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 64 –  „Lüttje Legde“ beschlossen, in dem das Plangebiet laut Begründung als sogen. „Kurwohnzone für Beherbergung und Wohnen“ für ein Ferienappartmenthaus mit 7 (!) Ferien(zweit)wohnungen und einer weiteren Wohnung ausgewiesen ist. Entsprechendes ist zu erwarten, wenn das Vorhaben des Bürgermeisters über eine Umwandlung der gesamten Nordhelmsiedlung von einem Allgemeinen Wohngebiet ebenfalls in eine Kurwohnzone Wirklichkeit werden sollte. Das mahnende Beispiel Sylt findet keinerlei Beachtung. Diese Befürchtungen werden offensichtlich auch von den Parteien und Gruppen der derzeitigen Ratsmehrheit nicht geteilt.

Das Sylter Syndrom „Insel ohne Insulaner“ rückt somit näher ! Eine Wende dieser seit Jahrzehnten vorgenommenen Inselausverkaufpolitik durch die Stadt wird wohl erst durch die in einem Jahr stattfindende Kommunalwahl eintreten können, wenn die Insulaner endlich aufwachen und der allein ihre Interessen vertretenden FWN eine solide Ratsmehrheit verschaffen.

Allgemein

Ein Gedanke zu “Insel ohne Insulaner – Ausverkauf auf Deubel komm raus…

  1. Ich finde es eine Dreistigkeit-Bunkergrundstücke hin oder her-Lüttje Ledge-Bebauungspläne etc.

    Hier auf dieser Insel herrscht Missgunst und Neid.Bist du Norderneyer hast du schon verloren.Kommst du aber vom Festland und willst bauen,kein Problem.

    Schade…..hab mehrere Immobilien auf der Insel.Ich hoffe das es ein gutes Ende für den Norderneyer nimmt. Toi Toi Toi !!!!!

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