„Tourismus“ aus der Sicht der FWN

von Heidi Daniel

Der Tourismus ist die Lebensgrundlage für uns Norderneyer. Unser schönes Stück Erde, das inzwischen sogar mit seinem einzigartigen Wattenmeer Weltnaturerbe geworden ist, lockt alljährlich seit nun schon über 200 Jahren Urlauber und Erholungssuchende an, die das Meer, den Strand, die Gezeiten und sogar den Sturm lieben und hier die gewünschte Erholung finden.

In den letzten 5 Jahren ist die Zahl der Gäste ständig gestiegen. Durch die Erhöhung des Kurbeitrages, durch die Provisionen der hauseigenen Zimmervermittlung und durch die Vermietung hauseigener Apartments ist die Kurverwaltung bestens ausgestattet, und eine Fremdenverkehrsabgabe hat sich erledigt. Würde man allerdings die Kurtaxe der Tagesgäste auf das Niveau der Dauergäste anheben, würden weitere Hunderttausend Euro in die Kassen gespült werden. Ebenso profitiert die Reederei direkt von diesem Gästeboom und müsste – dieser neuen Quantität angepasst – auf das Kontrollgeld, was sie seit der Einführung der Norderney-Card von der Kurverwaltung verlangt, verzichten. Weitere Mehreinnahmen, die uns allen zu Gute kommen würden, liegen in der Erhebung einer Kurtaxe für unsere vierbeinigen Gäste, die sich in hoher Anzahl auf unserer gesamten Insel und sogar an den Familienstränden trollen! Aus hygienischer Sicht ein Unding! Hotels berechnen für die Unterbringung von Hunden ein Übernachtungsgeld, warum soll die Gemeinde ohne einen Obolus dafür zu nehmen, die „geliebten“ Hinterlassenschaften dieser Tiere beseitigen, Hundeplätze und –strände, Plastiktüten zur Verfügung stellen?

Der Ausbau der Infrastruktureinrichtungen an unseren Stränden hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Die herrliche Promenade zwischen West- und Nordstrand, die Versorgungsplattformen an der Weißen Düne und am FKK-Strand sind Beispiele dafür. Das Kinderspielhaus „Kap Hoorn“ und der Hochseilgarten sind unsere neusten Errungenschaften.

Im innerstädtischen Kurbereich ist mit dem neuen Conversationshaus, der Neugestaltung des Kurplatzes und dem Badehaus, das sich zum Europathalassozentrum weiterentwickeln soll, der

Zeitgeist umgesetzt worden.

Neben diesen Norderneyer Besuchermagneten schlummert allerdings seit Jahren ein Trümmergrundstück, das eigentlich das erste 5-Sterne-Hotel werden sollte. Dieser Schrottplatz hat uns bisher weit über eine Million Euro gekostet und das Schlimmste dabei ist, dass die Verantwortlichen, denen wir diese

Misere wegen mangelhafter Vertragsgestaltung zu verdanken haben, noch heute schmunzelnd im Rat sitzen. Eine Abrechnung mit ihnen ist überfällig; nach Abschluss des Prozesses fordern wir die Nennung aller Beteiligten und die Bezifferung des Schadens. Eine Neugestaltung dieses Geländes nach Beseitigung der Trümmer haben wir schon vor unserem geistigen Auge! Dieses Stück Tafelsilber muss in Norderneyer Händen bleiben und würde sich fantastisch in das Ensemble rund um den Kurplatz, das Herz Norderneys, einfügen.

Ein weiterer Streitpunkt in der Ortspolitik ist das „Haus der Insel“. Wie es der Name schon sagt, ist es unser Inselhaus, es darf nicht abgerissen und verscherbelt werden! Dieses 4500 qm große Grundstück ist ein Filetstück im Kurzentrum. Es zu teilen und Fremdinvestoren zu beglücken, lehnen wir ab. Für unser kulturelles Leben ist dieses Haus mit seiner unvergleichlichen Multifunktionalität von äußerster Bedeutung. Das Haus ist mit dem Großen Saal und dessen ausgezeichneter Akustik die richtige Bühne für große Konzerte wie die des Warschauer Sinfonieorchesters, mit Justus Franz, für Musicals etc. Dieser Saal ist ein Superlativ in ganz Ostfriesland. Wo gibt es solche Räumlichkeiten noch einmal? Mit der Vielzahl der kleineren Säle im HdI ist es ideal für die Treffen unserer Vereine, Parteien und Interessengemeinschaften. Unter seinem Dach vereinen sich auch Sport und Spiel, Tanz und Gastronomie für jung und alt. Das Märchen von der Unwirtschaftlichkeit ist am Schreibtisch konstruiert, man hat das Haus bewusst verkommen lassen. Der Zahn der Zeit hat genagt, denn über viele Jahre wurde die Bauunterhaltung vorsätzlich unterlassen. Die dafür vorgesehenen Gelder wurden in andere Projekte gesteckt. Eine Modernisierung und Neustrukturierung durch ein professionell durchdachtes Betreiberkonzept, könnten das HDI zum Mittelpunkt für erstklassige Kunst- und Kulturerlebnisse das ganze Jahr über für die gesamte nordwestliche Region machen.

Bei allen steigenden Gästezahlen und der grundsätzlichen Begeisterung der Urlauber für Strand und Meer muss aber auch gesagt werden, dass Norderney zunehmend „artfremd“ vermarktet wird. Durch die ständig wachsende Anzahl der Zweitwohnungen incl. Profiküchen werden Ferienunterkünfte vermietet, deren Einnahmen an den Gemeindetöpfen und auch an den Kassen der einheimischen Gastronomie vorbeigehen und deren Gäste keine direkte Beziehung zu unserer Heimat aufbauen können. Da ist kein einheimischer Vermieter, der Norderney mit Herzblut dem Gast nahebringt, ihm Inseltypischen und historisch Gewachsenes erklärt. Norderney wird zum seelenlosen Resort. Jeder versorgt und bedient sich selbst! Authentizität und Identität gehen verloren, was aber gerade für den Kulturtouristen das Reisemotiv an sich darstellt. Er will das Traditionelle, das Original vor Ort erleben. Dieser neue Typus Urlauber nimmt weltweit rasant zu, denn im globalisierten Einerlei unserer Erde wächst die Sehnsucht nach dem echten, nicht zu imitierenden Kulturgut. In dieser Hinsicht müssen wir alle Kräfte bündeln und unsere Schätze ans Tageslicht holen. Wir könnten so vieles mehr hinsichtlich der Erwartungen dieser Kulturtouristen bieten. Kultur ist das Kapital der Zukunft! Mehr Vielfalt ist unser Ziel! Auch wenn die Sonne nicht scheint, sollten unsere Gäste anregende Alternativen und Abwechslung finden.

Die Problematik „Clubtourismus auf Norderney“ muss in diesem Zusammenhang grundlegend neu überdacht werden. Unsere „Nacht- und Tanzgastronomie“ lässt zu wünschen übrig und zieht immer weniger Cluburlauber mit Niveau an. Ebenso brauchen unsere Norderneyer Jugendlichen und die Gästejugend dringend eine Discothek, die dem heutigen Standard entspricht. Auch Tanzen ist als Sport zu sehen und krönt jeden Urlaub. Es fördert die Lebensfreude und Geselligkeit. In der Vergangenheit hatte Norderney diesbezüglich wie auch im Sportangebot weitaus mehr zu bieten.

Die Attraktivierung unseres Golfhotels mit neuem Golfplatz, das Bereitstellen der versprochenen Tennisplätze, die Gestaltung des Hafens zu einem maritimen Schmuckstück, die Neugestaltung der Poststraße zur zeitgemäßen Fußgängerzone, eine Glasüberdachung für die sehr belebte Strandstraße und die Wiedererrichtung einer längst überfälligen Seebrücke wären weitere wichtige Schritte in die eingeschlagene Richtung „Qualitätstourismus“.

Mit in dieses Boot muss unbedingt der Erhalt unseres Krankenhauses und unseres Altenheims. Fatal wäre der Einschnitt in die Lebensqualität der Einheimischen und unserer Gäste! Eine medizinische Grundversorgung gehört zu einem Seebad dieser Größe und garantiert einen unbeschwerten Aufenthalt. Diese aktuelle Misere haben wir leider auch einer politischen Fehlentscheidung von vor 10 Jahren zu verdanken.

Allgemein

Ein Gedanke zu “„Tourismus“ aus der Sicht der FWN

  1. Sie schreiben zum 5-Sterene-Grundstück::
    > Dieses Stück Tafelsilber muss in Norderneyer Händen bleiben und würde sich fantastisch in das Ensemble rund um den Kurplatz, das Herz Norderneys, einfügen.

    Was schwebt Ihnen denn da so vor? Welcher Norderneyer soll da was bauen?

    Nochmal 5-Sterne? Da empfehle ich das Studium dieses Artikels:
    http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article13571307/Edelhotels-werden-zu-Millionengraebern-fuer-Anleger.html

    Wollen Sie nicht, oder? Ich auch nicht…

    Gruß Arne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s