Ein (fast) wahres Märchen: Die Trolle im Norderneyer Moorwäldchen

Was verstehen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, unter einem Troll? Denken Sie da nicht auch erst einmal an schaurig-schöne Geschichten über Waldgeister, die den skandinavischen Märchenwäldern entspringen? Diesen Wesen möchte ich nicht zu nahe treten, wenn ich etwas über „Trolle im Internet“ erzähle.

Diese Trolle, die dort ihr Unwesen treiben, werden durch das Betätigen der PC-Tastatur geschaffen. Ihre geistigen Väter betrauen sie mit einfachen und schwierigen Aufgaben, die sie auf den Blogs verschiedener Homepages zu verrichten haben. Die einfach gestrickteren Naturen unter den Trollen geben sich in der Regel damit zufrieden, auf mehr oder minder derbe Art zu provozieren und Reaktionen wie Richtigstellungen oder vielleicht sogar Beschimpfungen auszulösen – damit haben wir „Heuer“ immer zu tun ;-).

Und dann gibt es die Spezies der listigen Miesmacher-Trolle, die als „Sockenpuppen“ ihre Erfüllung darin finden, Streit und Uneinigkeit sowie schnellwachsendes Misstrauen zu säen und damit Gruppen von Blog-Nutzern zu verunsichern. Sie benutzen nicht leicht zu erkennende Lügen, Übertreibungen, Verunglimpfungen oder einfach nur Weglassungen dazu, eigentlich klar dargelegte Sachverhalte in einem düsteren Licht erscheinen zu lassen und Menschen mit anderer Meinung zu diskreditieren. In der verschworenen Gemeinde der listigen Miesmachertrolle nennt man diesen Vorgang – natürlich die wahren Absichten verschleiernd – „wrobeln“. 

Im Cyberspace gibt es das Norderneyer Moorwäldchen (abgekürzt: „NoMoWä“). Dessen nicht unumstrittener Besitzer und seine devoten Helferlein sind geradezu erpicht darauf, diesen Bereich mit immer mehr Trollen der letztgenannten Art zu bevölkern. Manchmal verirren sich auch ganz normale, gutmeinende Meinungsäußerer im Dunstkreis des „NoMoWä“ und diskutieren mit den Sockenpuppen, als ob dahinter Menschen aus Fleisch und Blut, mit Verstand und Herzenswärme stünden. Seicht wrobelnd geben die Trolle sich natürlich nicht zu erkennen und schicken diese Menschen mit leisem Gekicher selbst im Sommer immer wieder aufs Glatteis.

Und wie erkennt man diese Trolle? Das ist zugegebenermaßen gar nicht so einfach, denn sie Verwenden zum „Trollen“ oft mehrere Fake-E-Mail-Adressen z.B. bei kostenlosen Webmail-Providern. Allerdings haben sich Menschen, die unter den Trollen massiv auf ihren Blogs zu leiden hatten, ein schönes Zeichen ausgedacht, womit ehrliche und aufrichtige Diskussionsteilnehmer gewarnt werden. Troll-Beiträge werden nämlich mit einem ASCII-Art-Fisch, auch „Roter Hering“ genannt, gekennzeichnet.

Am Eingang des „NoMoWä“ hatte eines Tages dann doch auch tatsächlich jemand folgendes Schild aufgestellt:

„ACHTUNG! ACHTUNG! Sie begeben sich in eine besondere Märchenwelt!><((((o>   ><((((o> ><((((o>   ><((((o>   ><((((o>  ><((((o>   ><((((o>   ><((((o>               ><((((o>        ><((((o>      ><((((o>      ><((((o>    ><((((o>         ><((((o>      ><((((o> BENUTZUNG NUR AUF EIGENE GEFAHR!!!

So wurde der Kreis derer, die das „NoMoWä“ betraten, immer kleiner, was den dort lebenden Trollen fortlaufend ihre Energie entzog. Sie wichen schmollend immer weiter zurück, weil niemand sie mehr ernst nahm und sich über sie ärgerte, was doch ihr eigentliches Lebenselixier war. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute…

Neugierig geworden? Dann weise ich auf diesen Artikel im Internet hin:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/meinung-im-internet-vom-elend-der-nutzerkommentare-1.1147168

Viel Vergnügen und eine gute Prise Nachdenklichkeit.

Allgemein

2 Gedanken zu “Ein (fast) wahres Märchen: Die Trolle im Norderneyer Moorwäldchen

  1. Gut gewrobelt! Wrobeln könnte dank den zahlreichen Trollen und Ignazen im world wide web bald ein feststehender Begriff wie googeln werden. „Wrobeln“ hat auf jeden Fall gute Chancen auf das neue Wort des Jahres 😉
    Kurt T.

  2. Ich muss schon sagen, wirklich eine Glanzleistung an Rhetorik und leicht heftigem Sarkasmus. Nur schade, das dieser Gegenschlag zu spät kommt.
    Gruß´Thomas

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