Ein wehrhaftes Bergvolk, leidensbereite Insulaner

Zweitwohnungsinitiative in der Schweiz angenommen

Den größten Triumph seiner Laufbahn als Umwelt- und Heimatschützer errang am letzten Sonntag der 84jährige gebürtige Basler Franz Weber. Mit seiner Volksinitiative gegen den ungehemmten Bau von Zweitwohnungen errang er seinen ersten nationalen Sieg. Das Schweizer Volk nahm die Initiative mit 50,63 % Ja-Stimmen an. 12 Voll- und 3 Halbkantone hießen das Begehren gut, 9 Vollkantone und ein Halbkanton waren dagegen.

Die Initiative verlangt ein maximales Limit von 20 Prozent an Zweitwohnungen pro Gemeinde. In rund einem Fünftel der Schweizer Gemeinden sollte die Annahme der Initiative nun einen sofortigen Baustopp für Zweitwohnungen zur Folge haben. Die Ausarbeitung der genauen Regeln auf Gesetzesebene liegt nun beim Parlament.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Norderney sprach dem Chef-Initiator Frank Weber am Montag per E-Mail mit Hinweis auf den gleichen Kampf an der Nordseeküste seine Anerkennung und Glückwünsche für die geleistete Arbeit aus.

Wohnst du noch oder ziehst du um?

Am Freitag, den 09.03. 2012 berichteten die „Westfälischen Nachrichten“ unter dem Titel: „Sylt ohne Insulaner?“ davon, dass vielen Einheimischen das Wohnen auf der Insel zu teuer wird. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass sich nur noch reiche Festländer Wohnraum auf Sylt leisten können. Am Donnerstagabend demonstrierten nach Medienangaben 120 aufgebrachte Bürger vor dem Rathaus von Westerland gegen die aus ihrer Sicht verfehlte Wohnungsbaupolitik.

Auch dort ist das wesentliche Problem, dass zahlreiche Wohnungen nur als Zweitwohnsitz genutzt werden. Danach gönnen sich reiche Sylt-Fans aus der gesamten Republik ihr Luxusdomizil auf der Insel und treiben die Preise nach oben. Im Sommer tummeln sich zeitweilig 120.000 bis 150.000 Menschen auf Sylt. Die echten Insulaner stellen noch knapp 21.000 Einwohner. Die Kritiker dagegen befürchten, dass auf Sylt deutlich weniger Menschen dauerhaft leben als bislang angenommen. Die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber, die bereits am 01.09. 1991 ihr Amt angetreten hat, räumt ein, dass es in manchen Orten auf der Insel über 60 Prozent Zweitwohnungen gibt. Das Gegensteuern der Gemeinde kommt für viele Sylter, die mittlerweile wegen der Unbezahlbarkeit der Wohnungen die Insel Richtung Festland verlassen mussten, zu spät. Die Bürgermeisterin behauptet: Wo die Gemeinde könne, baue sie auch. Noch einmal: Frau Reiber ist seit nunmehr 21 Jahren im Amt! So soll am Westerländer Bastianplatz auf einem ehemaligen Trainingsplatz für einen Sportverein Wohnraum nur für Sylter entstehen. Unter anderem sind dort ein Mehrgenerationenprojekt sowie Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen. Es werde ein Bürgergenossenschaftsmodell erarbeitet und auch ein Architektenwettbewerb sei geplant. Bürgermeisterin Reiber verweist darauf, dass Baugenehmigungen für die insulare Bevölkerung erst erteilt werden können, wenn das in Auftrag gegebene insulare Entwicklungskonzept vorliege. Im Herbst sollen neue Zahlen vorgelegt werden. Das Land Schleswig-Holstein soll 20 Millionen Euro für die Förderung von Wohnungen zugesagt haben. Davon soll die Insel „den größten Batzen erhalten“. Die Bürgermeisterin beschwichtigt ihre Kritiker: „Wohnungsbau hat bei uns oberste Priorität!“ Was ist bloß in all den Jahren (nicht) geschehen?

Die Zahlen, die für Sylt genannt werden, treffen im Verhältnis zweifellos auch auf unsere Insel zu. Die Freien Wähler Norderney haben stets auf das mahnende Beispiel der nordfriesischen Schwesterinsel hingewiesen. Auch bei uns wird die Dramatik trotz sinkender Bevölkerungszahlen bei Teilen der Politik und der Verwaltung immer noch nicht erkannt bzw. zugegeben. Als Entschuldigung muss stets der demographische Wandel herhalten. Wie die Wohnungsnot auf Norderney tatsächlich aussieht, lässt sich aus der Verkündung des TuS-Vorstandes auf seiner Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag ersehen. Für die neu geschaffenen 19 Single-Wohnungen, bei denen bezahlbare Mieten erhoben werden, haben sich insgesamt 124 Bewerber gemeldet. Das bedeutet dann ja wohl, das 105 Wohnungsbewerber aus dem Single-Bereich in die Röhre gucken. Der Abwanderung vornehmlich jüngerer und älterer Bewohner unsers Eilandes, also den einkommensschwächeren Gruppen, sind weiterhin alle Türen und Tore geöffnet, wenn nicht auch bei uns eine massive Wohnungsbauförderung des Landes Niedersachsen beantragt und bewilligt wird.

Allgemein

2 Gedanken zu “Ein wehrhaftes Bergvolk, leidensbereite Insulaner

  1. Ein wehrhafter Insulaner,
    ein nicht leidensbereiter Bürger von Norderney.

    Sehr geehrte Damen und Herren der FWN.

    Interessant fand ich Ihren Beitrag schon, nur sollten Sie auch den Mut und die Courage aufbringen, nach dem Motto: „Den Bürger mitnehmen.“
    Und da habe ich jetzt meine Zweifel bei Ihnen. Der Wille ist sicher vorhanden, aber wie wird der Wille von Ihnen in die Tat umgesetzt? Bestes Beispiel hier auf Norderney ist jetzt der Onnen-Visser-Platz.

    Sie haben sich jetzt mit der SPD zu einer Gruppe zusammengetan. In Ihrer Präambel (Basiskonsens) schreiben Sie unter: B. Aktive Bürgerbeteiligung, unter Anderem, dass die Bürger an den politischen Willensbildungsprozessen zur Weiterentwicklung der Insel frühzeitig und umfassend beteiligt werden, größtmögliche Transparenz in den Entscheidungsprozessen sicherzustellen usw. So etwas ähnliches hatte Sie schon vor der Gruppierung mit der SPD auf Ihren Wahl- Flyern geschrieben. Für mich jetzt alles schöne Worte, denn ich habe mich frühzeitig für das Projekt OV. Platz eingebracht und alle Parteien wussten davon. Keiner hat mal nachgefragt: wie meinst du das. Dank der Norderneyer Zeitungen wurden meine Vorstellungen an die Öffentlichkeit gebracht, und ich gehe davon aus, dass Sie auch diese Zeitungen gelesen haben. Auch gemailt habe ich Ihnen wegen dieser Sachangelegenheit vieles. Wenn man so eine Präambel öffentlich macht, aber nicht danach handelt, dann fühlt man sich als Bürger „verschaukelt“. Es muß wohl sehr schwer für einen Politiker sein, eine klare Aussage zu machen, die da heißt: Lieber Bürger, wir haben uns bereits entschlossen, den OV. Platz nach den Vorschlägen des Landschaftsplaners, der auch den traditionellen Georgsgarten zum Außenbereich des Spaßbades GESTALTET hat, zu übertragen.

    Ich habe bisher keinen Menschen hier auf der Insel getroffen, der sich für diese, von einem Landschaftsplaner ausgearbeitete Neugestaltung des OV. Platzes positiv ausgesprochen hat. Nur die jetzigen Ratsmitglieder, außer den Herren Harms und Stange von der SPD haben die neue Planung negativ beurteilt. Hier stellt sich auch die Frage, wofür ist eigentlich ein Stadtbaumeister da? Warum wurden die Pläne der TDN von 2011 verworfen? Es müsste doch eine Ehre für einen jetzt amtierenden Stadtbaumeister sein, der wie sein Vorgänger in den 70 ziger Jahren, der damalige Stadtbaumeister Jann Saathoff, diesen Platz neu zu entwerfen und zu gestalten. Hier hätte er sich einen Namen machen können. Dieser neue kalte moderne Platz hat nichts, aber auch gar nichts mit Onnen Visser zu tun. Einiges Super-Moderne will man jetzt aber damit hinein interpretieren. Hätten die Verantwortlichen hier einige Ideen und Vorschläge von den Insulanern, die sich mit eingebracht haben, die die ganze Situation vor Ort genau kennen mit aufgenommen, so wäre bei den Anliegern ein Wir-Gefühl aufgekommen und die ganze Maßnahme wäre wohlwollender begleitet. Das ist heute nicht der Fall, jetzt wird es einfach als „übergestülpt“ hingenommen. Nächstes Jahr, zum Saison-Start wird sich zeigen, ob der Platz von unseren Gästen angenommen wird. Ein guter Trost ist für uns Anlieger, dass auf diesem neuen Platz keine Verkaufsbuden, Zelte oder Tische und Stühle aufgestellt werden dürfen, wie es auf dem Kurplatz des Öfteren zu sehen ist , weil die Maßnahme auf dem OV. Platz mit Fördergelder aus dem Dorferneuerungsprogramm, finanziert wird.

    Ich habe mich damit abgefunden, in der Sache Teilstück Benekestraße verloren zu haben, es sei denn, am 10.09.2012 geschieht noch ein Wunder, da hat ja die Gruppe SPD/FWN ein Gespräch mit Herrn Uden, Leiter der Fachabteilung I. Finanzen/ Steuern. Bei uns stehen in diesem Teilstück alles über 120 Jahre alte Häuser, eines sogar unter Denkmalschutz, und wir wollen die moderne Straße nicht. Gerade die alten Norderneyer Klinkersteine haben das Flair, was zu unseren Häusern passt und die Straßebäume profitieren auch davon, indem das Regenwasser schneller durch die Pflasterritzen zu den Baumwurzeln durchsickern kann.

    Deshalb habe ich vorsorglich für den OV. Platz eine Todesanzeige entworfen. Sie ist nachstehend aufgeführt. Hoffentlich brauche ich diese Anzeige nie an die Norderneyer Zeitungen zur Veröffentlichung geben. Den Mut dazu habe ich, wenn es dann so kommt, wie es eigentlich für mich nicht kommen sollte. In jedem Brief den ich geschrieben habe, habe ich mich um Einklang mit allen Seiten bemüht, aber leider habe ich bisher kein Entgegenkommen verspüren können. Nach dem Motto: Die Sache wird durchgezogen, komme was da wolle. Vielleicht sind meine Einklang-Bemühen für mich später noch ein Joker.

    Mit freundlichem Inselgruß
    Bonno Eberhardt, sen.
    Im September 2012

    Hier mein Entwurf für eine „Todesanzeige“ wenn der jetzige Platz im Herbst von seiner gesunden grünen Pracht, die im Laufe der letzten 40 Jahre langsam gewachsen ist und für uns Anlieger den so wichtigen Windschutz spendete, gerodet wird.

    Gekämpft, gelitten, gehofft und doch verloren.
    Ich zitiere aus NoMo-online scio melior:
    Onnen Visser stöhnt, und auf seinem Platz stöhnt die Kastanie – ihr Tod ist beschlossene Sache. 430.000,- € sollen für die Zerstörung dieser grünen Oase ausgegeben werden, vergeudet werden – (scio melior)

    Wor gift dat Vandag up urns Eiland
    noch een Sünnigkeit ?
    Bie de van urns gewählten Nörderneer Ratspolitiker un in de Verwaltung bie de Bowersten ne mehr. Se sünd nu owerdorig worn.
    Se will`n or können dat ne begriepen.
    Tägenen Backoben kannst eenfach ne gahpen.
    Nu saln de anner Anleeger`s, in t Benekestraat ok hör Andeel berappen un vör disse Lüü heet dat nu :
    Zahle und sei freundlich

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