Landtagswahl 2013: FREIE WÄHLER in Ostfriesland/Wahl von Direktkandidaten für die Wahlkreise 85 bis 87

Auf der Versammlung der Bezirksvereinigung FREIE WÄHLER in Ostfriesland, die am 29.08. 2012 in Berumerfehn stattfand, wurden die Direktkandidaten für die kommende Landtagswahl der Wahlkreise 85, 86 und 87 gewählt. Die Versammlung fand unter der Leitung des Landesvorsitzenden und gleichzeitigen Bezirksvorsitzenden der FREIEN WÄHLER Ostfrieslands, Arno Ulrichs, statt.

Die Landtagswahlkreise in Ostfriesland umfassen:85 Emden / Norden  Die Stadt Emden; vom Landkreis Aurich die Stadt Norden, die Gemeinden Hinte, Krummhörn, die Samtgemeinde Hage, nominiert: Reinhard Brüling aus Norden;

86 Aurich Vom Landkreis Aurich  die Stadt Aurich (Ostfriesland), die Gemeinden Großefehn, Großheide, Ihlow, Südbrookmerland, die Samtgemeinde Brookmerland, nominiert: Klaus Klitsch aus Südbrookmerland und

87 Wittmund / Inseln  Vom Landkreis Aurich die Stadt Norderney, die Gemeinden Baltrum, Dornum, die Inselgemeinde Juist, Wiesmoor, das gemeindefreie Gebiet Nordseeinsel Memmert; der Landkreis Wittmund, nominiert Hayo F. Moroni, Norderney.

Das Norderneyer Kreistagsmitglied der FREIEN WÄHLER, Hayo F. Moroni, war bereits bei der letzten Landtagswahl als Direktkandidat für den Wahlkreis 87 angetreten.

Die drei Landtagswahlkandidaten der FREIEN WÄHLER Ostfriesland, links Hayo Moroni, Norderney.

Eine inselhistorische Maßnahme:SPD/FWN-Gruppe im Rat der Stadt Norderney gebildet.

Vereinbarung der SPD Fraktion und der Fraktion der FWN im Rat der Stadt Norderney

Die Fraktionen der SPD und der FWN des Rates der Stadt Norderney, vertreten durch ihre Fraktionsvorsitzenden, treffen folgende Absprache für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit im Rat der Stadt Norderney für die laufende Wahlperiode. Sie bilden bis 2016 gemäß des § 18 Abs. 2 der Geschäftsordnung für den Rat, den Verwaltungsausschuss, die Ratsausschüsse und die Ausschüsse nach besonderen Rechtsvorschriften der Stadt Norderney eine „Gruppe SPD/FWN“, weil eine gedeihliche, verlässliche und nachhaltige Politik für die Insel nur durch eine konstruktive Zusammenarbeit gesichert und umgesetzt werden kann.

A. Prinzipien der Zusammenarbeit
1. Die Fraktionen vereinbaren eine faire, gleichberechtigte und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Dazu finden nach Bedarf gemeinsame Fraktionssitzungen statt. Eine umfassende und wechselseitige Information untereinander ist die Grundlage des gemeinsamen Handelns. Ziel ist es, das Vorgehen zu den einzelnen Sachthemen abzustimmen, Meinungsverschiedenheiten auszugleichen und das Abstimmungsverhalten zu koordinieren.
2. Anträge aus den Fraktionen werden gemeinschaftlich vorberaten und gestellt, um in den Gremien ein konstruktives und festes Miteinander darzustellen.
3. Ausschusssitzungen werden mit den Ausschussmitgliedern in gemeinsamen Vorgesprächen vorbereitet. Die Organisation und die Leitung werden von den jeweiligen Ausschusssprechern übernommen.
B. Aktive Bürgerbeteiligung
Gemeinsames Ziel der beiden Fraktionen ist es, die Bürgerinnen und Bürger an den politischen Willensbildungsprozessen zur Weiterentwicklung der Insel frühzeitig und umfassend zu beteiligen. Alle Möglichkeiten nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) sollen dazu im Sinne unserer Mitbürger ausgeschöpft werden. Um eine größtmögliche Transparenz in den jeweiligen Entscheidungsprozessen sicherzustellen, sind die örtlich verfügbaren Medien und das Internet verstärkt zu nutzen.
Die Fraktionen erwarten von der Verwaltung eine verstärkte, frühzeitige Unterrichtung der Inselbevölkerung über Pläne und Veränderungen in Bürgerversammlungen.
C. Bauen und Wohnen
Die Fraktionen sind sich einig, dass eine elementare Schlüsselfrage für die weitere Entwicklung unserer Insel Norderney und der Lebensbedingungen der Insulaner die zukünftige Boden-, Bau- und Wohnungspolitik ist.
1. Für Norderney ist ein nachhaltiges städtebauliches Zukunftskonzept zu entwickeln. Die gesamte Bauleitplanung, insbesondere der längst überholte Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1973 muss dringend überarbeitet werden.
2. Die bislang vorgenommene Steuerung der städtebaulichen Entwicklung nach § 34 BauGB stößt auf Norderney an ihre Grenzen. Das beantragte Bauvolumen ist teilweise überzogen groß und muss mit entsprechenden Bebauungsplänen stärker überplant und reguliert werden. Wir sind überzeugt, dass nur über dieses planerische Instrument eine geordnete städtebauliche Entwicklung sinnvoll gesteuert und eine Begrenzung der Art und des Maßes der Nutzung erzielt werden kann. Auch die Anzahl der Wohneinheiten können nur über einen B-Plan auf ein verträgliches Maß beschränkt werden. Bei der Umsetzung der Planung müssen Prioritäten gesetzt werden.
3. Ein maßgebliches Planungsziel der Bauleitplanung (Flächennutzungsplan, Bebauungspläne, Erhaltungssatzungen, Fremdenverkehrssatzung) muss die Sicherung und Erweiterung des vorhandenen, einheimischen Dauerwohnraums zu bezahlbaren Konditionen sein. Die in städtebaulichen Verträgen dazu dokumentierten Vorgaben und Absprachen sind durch entsprechende Eintragungen im Grundbuch und /oder durch Baulasten im Baulastverzeichnis und /oder durch Auflagen / Bedingungen in den jeweiligen Baugenehmigungen abzusichern. Die Verträge sind dem Bauausschuss auf Verlangen vorzulegen. Außerdem muss durch eine verantwortungsvolle Überarbeitung der vorhandenen Baugestaltungssatzung die Verschönerung des Ortsbildes sichergestellt werden.
4. Es muss verstärkt darauf hingewirkt werden, dass auch im Innenstadtbereich vorhandene Grünflächen erhalten bleiben und sinnvoll gestaltet werden.
5. Bauliche Veränderungen im Nationalpark sollen möglichst unterbleiben. Notwendige Veränderungen müssen sich nach den Vorgaben des Flächennutzungsplanes richten. Entscheidungen dazu sind in den städtischen Gremien zu treffen
D. Verkehr und ÖPNV
Die Fraktionen unterstützen
1. den Ausbau des ÖPNV und dessen weitestgehende Finanzierung aus den Einnahmen der Parkraumbewirtschaftung und aus den erwirtschafteten Kurbeiträgen .
2. die weitere Regulierung des Verkehrs im Innenstadtbereich und den angrenzenden Verkehrszonen. Dieses muss mit Augenmaß unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Verkehrsproblematiken und der unterschiedlichen Infrastrukturen in den einzelnen Ortsteilen erfolgen. Dazu ist es erforderlich, ein Gesamtkonzept mit verlässlichen Erhebungen und Zahlen zu erarbeiten.
3. die Schaffung eines akzeptablen Parkraums im Ortsteil Nordhelm.
4. die Beibehaltung der bestehenden Saisonverkehrsregelung.
E. Krankenhaus /Altenheim
1. Beide Fraktionen werden alle Anstrengungen unternehmen, um unser Inselkrankenhaus als eine äußerst wichtige Einrichtung der Gesundheits- und Daseinsvorsorge für Norderney und seinen hier Erholung und Gesundheit suchenden Gästen in jedem Fall zu erhalten. Dazu zählt auch die Nutzung der politischen Verbindungen. Es wird ein Gutachten zur finanziellen Situation des Krankenhauses und seiner unternehmerischen, personellen und sächlichen Strukturen von fachkompetenten und unabhängigen Experten eingefordert. Danach sind zeitnahe Lösungsvorschläge zu erarbeiten, unter Vermeidung von gravierenden Nachteilen für die Patienten.
2. Eine Verbesserung des Wohn- und Pflegestandards im Pflege- und Seniorenheim „Inselfrieden“ soll politisch erwirkt werden. Wir erwarten von der Betreiberin weitere Anstrengungen und Investitionen.
3. Die Fördervereine beider Einrichtungen werden bei ihrer Arbeit unterstützt.
F. Haus der Insel (HdI) / 5- Sterne-Hotel
Beide Fraktionen sind sich einig darüber, dass aufgrund der neuen Hotelentwicklungen auf Norderney (3 Michels-Hotels, neue Brune-Hotels, geplante Hotelanlage Lennermann am Kurplatz etc.) sich neue Fragen zur baulichen Neugestaltung des Areals des Haus der Insel (Theaterplatz) oder auch des weiteren Erhalts und einer funktional und ökonomisch sinnvollen Renovierung des HdI stellen und dieses im Zusammenhang mit einer vorgesehenen Bebauung am ehem. Kurmittelhaus mit einem 5-Sterne-Hotel gesehen werden muss. Die Schaffung oder der Erhalt eines Konzert- und Veranstaltungssaales mit einem Fassungsvermögen von ca. 500 Personen wird nicht in Frage gestellt. Dazu ist die Erstellung eines Gesamtkonzeptes auf der Grundlage gesicherter Daten notwendig.
G. Kultur und Tourismus
1. Die kulturellen Einrichtungen und Vereine auf unserer Insel werden auch weiterhin ideell und finanziell unterstützt. Dabei gilt das besondere Augenmerk der Besinnung auf das kulturelle Erbe unserer Insel als ein wichtiges Identifikationsmerkmal für uns Insulaner und einer Bindung auch junger Insulaner an unsere Insel. Sie nehmen gerade im Zeitalter der Globalisierung und europäischen Vereinigung und einer darin vorgesehenen Stärkung der Regionen eine immer wichtigere Funktion im Leben des Einzelnen ein.
2. Die Lebensgrundlage für Norderney ist ein funktionierender Tourismus. Auch wenn Norderney hinsichtlich des touristischen Angebots sehr gut aufgestellt und nachgefragt ist, gilt es dieses weiter mit Augenmaß anzupassen und auszubauen. Fehlentwicklungen (z. B. Teile des Clubtourismus) müssen erkannt und abgestellt werden. Nur dann können die finanzielle Kaufkraft und die Arbeitsplätze auf unserer Insel nachhaltig gesichert werden.
3. Das Hafengebiet ist die erste Visitenkarte unserer Insel. Die heutige Situation bei der An- und Abreise wird dem Anspruch Norderneys als fortschrittliche Urlaubs- und Kurinsel nicht gerecht. Wir setzen uns für eine sach- und zeitgerechte Überplanung des gesamten Hafenbereiches ein.
H. Städtische Tochtergesellschaften
Beide Fraktionen sind sich darüber einig, mit einer verantwortungsvollen Politik die Aufsichtsratsarbeit bei den städtischen Gesellschaften zu prägen. Im Besonderen wird es zu einer umfassenden Aufarbeitung und Überprüfung der Arbeitsbedingungen der Staatsbad Norderney Service-Gesellschaft mbH kommen. Wirtschaftliches Handeln der Gesellschaft muss sinnvoll und verantwortlich mit den Arbeitnehmerinteressen in Einklang gebracht werden.
I. Kinder-, Jugend- und Schulpolitik
Das Betreuungs- und Spielangebot für Kinder muss weiter aufgewertet werden. Für Norderneyer Jugendliche soll das Jugendzentrum im „Haus der Begegnung“ eine attraktive Anlaufstelle sein. Wünschenswert ist auch eine Jugenddisco außerhalb des zentralen Ortsgebietes. Aufgrund rückläufiger Schülerzahlen werden wir uns im Laufe der Legislaturperiode mit den zwei Schulstandorten verantwortungsvoll auseinandersetzen müssen.
J. Umwelt und Natur
Die vorhandene Natur und Umwelt auf unserer schönen Insel im Weltnaturerbe Wattenmeer und im niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer müssen erhalten bleiben, weil nur dadurch ein nachhaltiger Tourismus gesichert werden kann. Unsere Inselwäldchen als Ruhe- und Erholungsorte für die Mitbürger, aber auch für unsere Gäste, müssen durch Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen attraktiver gestaltet werden. In Teilbereichen (z. B. Westl. Argonnerwäldchen und hinter dem Seehospiz) muss durch Aufforstungsarbeiten der Bestand gesichert werden.
K. Besetzung der Ausschüsse
Beide Fraktionen benennen die Mitglieder in den Ausschüssen eigenverantwortlich, wie bisher. Die durch den Zusammenschluss gewonnenen Ausschusssitze werden wie folgt besetzt:
1. Bauausschuss FWN
2. Ausschuss für Soziales, Schulen und Kultur FWN
3. Ausschuss für Haushalt, Finanzen und städt. Beteiligungen SPD
4. Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr SPD
Der Vertreter für das ordentliche Ausschussmitglied wird von der jeweils anderen Fraktion benannt.
L. Stellvertretende Bürgermeister
Der 1. stellvertretende Bürgermeister wird von der SPD vorgeschlagen.
Die SPD verzichtet auf den 2. stellvertretenden Bürgermeister zugunsten der FWN.*

Norderney den 23.Juli 2012
Jan Harms                                                                              Manfred Plavenieks
SPD Fraktionsvorsitzender                                                    FWN Fraktionsvorsitzender
im Rat der Stadt Norderney.

Axel Stange                                                                            Erich Ruth
SPD Ortsverein Norderney                                                    FWN-Verein

* Mit den gebündelten Stimmen der Grünen/Bündnis 90, CDU/FDP und des Bürgermeisters sowie der fraktionslosen Helga Meyer (ehemals SPD) entstand in der Ratssitzung am 23.07. 2012 ein Stimmenpatt. Die Losentscheidung gewann Karin Rass (Grüne) gegen Bernhard Onnen (FWN), die damit zur 2. stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt war.

Ein wehrhaftes Bergvolk, leidensbereite Insulaner

Zweitwohnungsinitiative in der Schweiz angenommen

Den größten Triumph seiner Laufbahn als Umwelt- und Heimatschützer errang am letzten Sonntag der 84jährige gebürtige Basler Franz Weber. Mit seiner Volksinitiative gegen den ungehemmten Bau von Zweitwohnungen errang er seinen ersten nationalen Sieg. Das Schweizer Volk nahm die Initiative mit 50,63 % Ja-Stimmen an. 12 Voll- und 3 Halbkantone hießen das Begehren gut, 9 Vollkantone und ein Halbkanton waren dagegen.

Die Initiative verlangt ein maximales Limit von 20 Prozent an Zweitwohnungen pro Gemeinde. In rund einem Fünftel der Schweizer Gemeinden sollte die Annahme der Initiative nun einen sofortigen Baustopp für Zweitwohnungen zur Folge haben. Die Ausarbeitung der genauen Regeln auf Gesetzesebene liegt nun beim Parlament.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Norderney sprach dem Chef-Initiator Frank Weber am Montag per E-Mail mit Hinweis auf den gleichen Kampf an der Nordseeküste seine Anerkennung und Glückwünsche für die geleistete Arbeit aus.

Wohnst du noch oder ziehst du um?

Am Freitag, den 09.03. 2012 berichteten die „Westfälischen Nachrichten“ unter dem Titel: „Sylt ohne Insulaner?“ davon, dass vielen Einheimischen das Wohnen auf der Insel zu teuer wird. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass sich nur noch reiche Festländer Wohnraum auf Sylt leisten können. Am Donnerstagabend demonstrierten nach Medienangaben 120 aufgebrachte Bürger vor dem Rathaus von Westerland gegen die aus ihrer Sicht verfehlte Wohnungsbaupolitik.

Auch dort ist das wesentliche Problem, dass zahlreiche Wohnungen nur als Zweitwohnsitz genutzt werden. Danach gönnen sich reiche Sylt-Fans aus der gesamten Republik ihr Luxusdomizil auf der Insel und treiben die Preise nach oben. Im Sommer tummeln sich zeitweilig 120.000 bis 150.000 Menschen auf Sylt. Die echten Insulaner stellen noch knapp 21.000 Einwohner. Die Kritiker dagegen befürchten, dass auf Sylt deutlich weniger Menschen dauerhaft leben als bislang angenommen. Die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber, die bereits am 01.09. 1991 ihr Amt angetreten hat, räumt ein, dass es in manchen Orten auf der Insel über 60 Prozent Zweitwohnungen gibt. Das Gegensteuern der Gemeinde kommt für viele Sylter, die mittlerweile wegen der Unbezahlbarkeit der Wohnungen die Insel Richtung Festland verlassen mussten, zu spät. Die Bürgermeisterin behauptet: Wo die Gemeinde könne, baue sie auch. Noch einmal: Frau Reiber ist seit nunmehr 21 Jahren im Amt! So soll am Westerländer Bastianplatz auf einem ehemaligen Trainingsplatz für einen Sportverein Wohnraum nur für Sylter entstehen. Unter anderem sind dort ein Mehrgenerationenprojekt sowie Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen. Es werde ein Bürgergenossenschaftsmodell erarbeitet und auch ein Architektenwettbewerb sei geplant. Bürgermeisterin Reiber verweist darauf, dass Baugenehmigungen für die insulare Bevölkerung erst erteilt werden können, wenn das in Auftrag gegebene insulare Entwicklungskonzept vorliege. Im Herbst sollen neue Zahlen vorgelegt werden. Das Land Schleswig-Holstein soll 20 Millionen Euro für die Förderung von Wohnungen zugesagt haben. Davon soll die Insel „den größten Batzen erhalten“. Die Bürgermeisterin beschwichtigt ihre Kritiker: „Wohnungsbau hat bei uns oberste Priorität!“ Was ist bloß in all den Jahren (nicht) geschehen?

Die Zahlen, die für Sylt genannt werden, treffen im Verhältnis zweifellos auch auf unsere Insel zu. Die Freien Wähler Norderney haben stets auf das mahnende Beispiel der nordfriesischen Schwesterinsel hingewiesen. Auch bei uns wird die Dramatik trotz sinkender Bevölkerungszahlen bei Teilen der Politik und der Verwaltung immer noch nicht erkannt bzw. zugegeben. Als Entschuldigung muss stets der demographische Wandel herhalten. Wie die Wohnungsnot auf Norderney tatsächlich aussieht, lässt sich aus der Verkündung des TuS-Vorstandes auf seiner Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag ersehen. Für die neu geschaffenen 19 Single-Wohnungen, bei denen bezahlbare Mieten erhoben werden, haben sich insgesamt 124 Bewerber gemeldet. Das bedeutet dann ja wohl, das 105 Wohnungsbewerber aus dem Single-Bereich in die Röhre gucken. Der Abwanderung vornehmlich jüngerer und älterer Bewohner unsers Eilandes, also den einkommensschwächeren Gruppen, sind weiterhin alle Türen und Tore geöffnet, wenn nicht auch bei uns eine massive Wohnungsbauförderung des Landes Niedersachsen beantragt und bewilligt wird.

Die Haushaltsrede der Freien Wähler am 08.03. 2012

Haushaltsrede der Freien Wählergemeinschaft Norderney (FWN), vorgetragen vom Fraktionsvorsitzenden Manfred Plavenieks.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren des Rates, sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung, liebe Bürgerinnen und Bürger,

dies ist die Ratssitzung, die sich mit der Verabschiedung des Haushalts der Stadt Norderney befasst. Dazu ist es ist gute Tradition, diese Sitzung zum Anlass zu nehmen, auch einen Rückblick über das vergangene Jahr und einen Ausblick auf das bestehende Jahr zu geben. Dazu komme ich gleich noch.

Als erstes zum Haushalt: Dem Dank an Frau Karow, die wie ich in diesem Jahr in Ruhestand geht, schließe ich mich im Namen der FWN an.

Während der Ergebnishaushalt, so wie es das Nds. Kommunalverfassungsgesetz fordert, ausgeglichen gestaltet wird, ist das beim Finanzhaushalt nicht der Fall. Dennoch gehört Norderney nach wie vor zu den wohlhabenderen bzw. finanzstarken Gemeinden in Niedersachsen und Sie, Herr Bürgermeister, haben es im Vorbericht zum Haushaltsplan vermerkt: Die Steuerkraft der Stadt Norderney übersteigt den Steuermessbetrag, sodass für Norderney keine Schlüsselzuweisungen vom Land gezahlt werden. Im Gegenteil: Die Stadt Norderney zahlt nach § 16 NFAG sogar in die Finanzausgleichsumlage des Landes ein. Aufhorchen lassen muss aber dennoch der Hinweis, dass die ordentliche Tilgung in Höhe von 203.000 Euro nach Feststellungen der Verwaltung nicht erfüllt werden kann.

Nicht gerade begeistert kann der Rat zudem vom nicht ausgeglichenen Finanzhaushalt sein, wenngleich die Gründe dafür im Großen und Ganzen nachvollziehbar sind, denn mit ihm wird die Investitions- und Finanzierungstätigkeit der Gemeinde dargestellt. Hier ist,wie man allseits beobachten kann, einiges auf unserer schönen Insel passiert und wird noch passieren. Wir haben es gehört. Der Finanzhaushalt ist aber ein Maßstab für die Fähigkeit der Kommune, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Hier haben wir also den „liquiden Mitteln der Stadt ein besonderes Augenmerk“ zu schenken. Einzahlungen und Auszahlungen müssen zwar im Finanzhaushalt nicht zwingend ausgeglichen werden, aber mit Blick in die Zukunft ist das immer sinnvoll. Die Doppik, die doppelte Buchführung in Konten ermöglicht es uns, die Übersicht zu behalten. Ich will nicht verhehlen, dass das einzelne Ratsmitglied hier sehr gefordert ist und ich hoffe, dass wir alle als gewählte Vertretung in dieser Hinsicht unserem Kontrollauftrag im hinreichenden Maße nachkommen können und ihn hier und heute auch erfüllen. Es wurden Zahlen und Positionen genannt und ich will mich da nicht wiederholen.

Die Fraktion der Freien Wähler stellt letzten Endes aber fest, dass aus unserer Sicht dem Haushaltsplan für das Jahr 2012 und dem Investitionsprogramm für die Jahre 2011 bis 2015 sowie dem Wirtschaftsplan der TDN die Zustimmung gegeben werden kann, wie es unter dem Vorsitz des Ausschussvorsitzenden für Haushalt, Finanzen und städtische Beteiligungen, Bernhard Onnen, in der Sitzung vom 16.02. 2012 bereits mehrheitlich geschehen ist. Wir werden also „Ja“ zum Beschlussvorschlag sagen.

Gestatten Sie mir nun den angekündigten Rück- und Ausblick auf einige Schwerpunktthemen, die uns in der vergangenen Legislaturperiode begleitet haben und die uns auch heute nicht loslassen. Die Freien Wähler haben immer deutlich gemacht und unser ehemaliges Ratsmitglied Hayo Moroni war dafür ein wesentlicher Protagonist, dass die Baupolitik auf unserer Insel elementare Bedeutung für deren Bevölkerung hat. Es ist richtig und wichtig, dass wir mit der WGN einen leistungsfähigen Wohnungsanbieter haben, der dafür sorgt, dass auf unserer Insel überhaupt noch bezahlbarer Wohnraum in einer Dimension von 650 Wohnungen zur Verfügung steht bzw. gestellt wird. Andere Inseln sind da mit negativem Beispiel vorangegangen. Ich denke da an Borkum. Die Freien Wähler setzen sich auch weiterhin für die Sicherung und den Ausbau von Wohnraum für die einheimische Bevölkerung ein. Wir wissen auch um die damit verbundenen Darlehensverpflichtungen, die verzinst und getilgt werden müssen. Hier sind wir dann in der Gesamtheit gefragt und ich glaube, dass dieses so auch von der Mehrheit im Rat und der Stadt Norderney mit ihren Gesellschaften verstanden worden ist. Eigeninitiativen wie die des TuS Norderney mit dem Bau von 19 zusätzlichen Single-Wohnungen werden von uns ausdrücklich begrüßt. Respekt für dessen Vorstand. Eine mutige und hoffentlich gute Entscheidung!

Um zu einer verlässlichen Politik mit den daraus resultierenden Entscheidungen zu kommen, brauchen wir aber auch klare Aussagen nicht nur über den Wohnbestand der heimischen Bevölkerung, die hier ihren Lebensmittelpunkt hat sondern auch über die Anzahl von Zweitwohnungsbesitzern, für die die Destination Norderney sowohl als Urlaubs- und Erholungsort sowie als sichere Kapitalanlage immer interessanter geworden ist. Es werden immer wieder Zahlen genannt, über die es aber „scheinbar“ keine offizielle Statistik, die die FWN schon häufiger angefragt hat, gibt: Wenn es aber tatsächlich wie verlautet stimmt, dass über 4000 Zweitwohnungen nur noch ca. 2.700 Norderneyer Haushalte gegenüberstehen, ist dieses ein krasses Missverhältnis.

Wenn Herr Ennen von der CDU-Fraktion im OK vom 07.03. 2012 sagt, ich zitiere: „Ich sehe im Übrigen im Moment nicht, dass die anderen Fraktionen im Rat bereit sind, für die nächsten zehn Jahre Perspektiven zu erarbeiten“… und dann fortführt: „Deren Credo ist es nämlich, nichts zu verändern. Wir hingegen sind kompromissbereit“… sowie abschließend feststellt: „Wir sind sachorientiert und wollen was erreichen, und zwar über Wirtschaft und Tourismus. Wenn wir etwas für den Gast tun, dann tun wir „automatisch“ auch etwas für unsere Einwohner“…

dann spiegelt sich genau hier die Verschiebung der Achse Einwohnerschaft und Immobilienanleger wider. Automatismen können auch aus dem Ruder laufen. Hier werden wir noch einige Zeit miteinander streiten, Herr Ennen.

Die Zweitwohnungsproblematik ist das Dauerthema der vergangenen Jahre und sie wird nach der letzten Kommunalwahl auch in der begonnenen neuen Legislaturperiode Verwaltung und Politik nicht aus der Verpflichtung entlassen, in unseren Entscheidungen eine Verantwortung auch für die kommenden Generationen zu übernehmen. Natürlich ist der Zweitwohnungsbau kein typisches Problem nur Norderneys. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf eine Volksabstimmung hinweisen, die am kommenden Sonntag, den 11. März 2012, in der Schweiz stattfindet. Dort hat sich nämlich bereits am 17. Juni 2011 eine Volksinitiative gebildet, die da lautet: „Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen“! Auch hier wird die Diskussion kontrovers zwischen denen geführt, die von dem Bau der Zweitwohnungen profitieren und den Menschen, denen Stück für Stück ihrer ursprünglichen Heimat genommen wird, weil sie sich ein Häuschen gegen den übermächtigen Konkurrenzdruck von außen nicht mehr leisten können. Deswegen ist die Volksinitiative in der Schweiz entstanden. 20 Prozent. Das ist die Zielmarke der Initiative. Eine Gemeinde sollte nicht mehr als 20 Prozent Zweitwohnungen aufweisen. Das muss man sich einmal für Norderney auf der Zunge zergehen lassen. Die Volksinitiative sagt: „Bestehende Zweitwohnungen können aber erhalten werden, auch in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von mehr als 20 Prozent. Die Zweitwohnungsinitiative ist nicht gegen die Bautätigkeit an sich, aber sie will verbindliche Schranken setzen. Unser Volksbegehren soll Auswüchse eindämmen und den Bauboom für Zweitwohnungen bremsen, der unsere schönsten Erholungsgebiete und Tourismusregionen zusehends zerstört.“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren aus der Vertretung, liebe Bürgerinnen und Bürger, kommen Ihnen diese Ausführungen nicht sehr bekannt vor? Jawohl,- dort, wo uns Insulanern der Schuh drückt, geht es auch Gemeinden in ganz weit entfernten Tourismusdestinationen genauso. Und eines, – auch dort sind die Probleme hausgemacht, weil man sich lange Zeit achselzuckend dem scheinbar übermächtigen Druck des Geldes ergeben hat. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Volksabstimmung: „Schluss mit dem uferlosen Bau von Zweitwohnungen“ ausgehen wird. Soweit, dass sich auf Norderney eine gleichnamige Bürgerinitiative gründet, sind wir noch nicht. Das haben ja auch die vergangenen Kommunalwahlen gezeigt, bei der meine Fraktion für ihr Ziel des Gegensteuerns nicht belohnt wurde. Wir glauben aber feststellen zu können, dass offensichtlich gerade innerhalb der größten Fraktion des Rates ein Umdenken stattfindet und die Bereitschaft zum Handeln in dem von uns geäußerten Sinne wächst. Ich hoffe, dass diese Kräfte sich auch weiterhin durchsetzen werden, weil sich mit denen über eine Politikgestaltung verhandeln lässt, die nicht nur Partikularinteressen sondern dem Gemeinwohl dient. Den Blick in eine bestimmte Richtung kann ich mir ersparen.

Die Geschäftsführung der Wohnungsgesellschaft Norderney mbH hat in einem Schreiben zur Rückraumbebauung an die Bewohner der Mietgebäude in der Benekestraße einst ausgeführt:

Kurz gefasst ergeben sich folgende denkbare Alternativen:

· Entwicklung und Verkauf brach liegenden Geländes (vorrangig für

Norderneyer)

· Veräußerung von Mietwohngebäuden

· Veräußerung einzelner Mietwohnungen

· Anhebung der Mieten.

Das klingt nach ganz schön viel Druck auf die Kritiker. Es gibt die politische Meinung der größten Ratsfraktion, dass sie es als unumgänglich ansieht, die städtische Wohnungsgesellschaft mit neuem, „frischen“ Kapital zu versorgen. Wie das gehen soll, wird mit dem Vorschlag erläutert, Bauprojekte zum üblichen Marktpreis zu veräußern. Gleich räumt man dann aber auch ein, dass es allen schmerzlich klar ist, dass in einigen Fällen das Eigentum dann nicht für Norderneyer Familien hervorgebracht wird. Soll man nicht korrekt sagen:In den meisten Fällen? Und dann hat man sich offensichtlich mit folgender Aussage bei den Freien Wählern bedient: Wenn jedoch die Stadt Norderney den Immobilienhaien das Feld überlässt, werden auch die letzten Flächen der Insel der privaten Profitgier unterworfen. Das meine ich mit dem notwendigen Umdenkungsprozess, dem wir uns alle unterwerfen müssen. Und deswegen befürworte ich auch die Initiative des Bürgermeisters, der alle Fraktionen sowie die Mitarbeiter der Stadt Norderney mit ihren Gesellschaften zusammenbringen will, um parteiübergreifend zu Lösungsansätzen zu kommen. Dieses Kernproblem muss angegangen und immer wieder ins Bewusstsein gebracht werden. Wir von der FWN stehen dazu.

Natürlich werden wir uns auch mit der Krankenhausproblematik befassen müssen, wir haben uns um die alten und jungen Menschen unserer Insel zu sorgen und als Politiker gangbare Wege aufzuzeigen. Das sind generationenübergreifende Verpflichtungen, denen wir uns nicht entziehen können und die alle mit in das genannte Schwerpunktthema hineinspielen. Auch der Thematik Kinderkrippen, Kindergarten, Grundschule und Kooperative Gesamtschule werden wir uns weiterhin konstruktiv in Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Bürgerinnen und Bürgern widmen.

Wir dürfen uns aber nicht dazu hinreißen lassen, kurzfristig unser letztes Tafelsilber aus der Hand zu geben, denn hier handelt es sich um das Zukunftspfand für die kommenden Generationen. Das Haus der Insel ist ein solches Thema. Ich reduziere den Denkansatz für kommende Lösungen auf folgende Forderung: Wenn wir etwas weggeben und sei es auch nur für eine begrenzte Zeit, dann müssen wir Insulaner dafür etwas wiederbekommen, dass auch allen nützt. Und: Wer den Vorteil oder einen Eigennutz hat, muss gewisse Verpflichtungen für das Gemeinwohl – den Gemeinnutz – übernehmen. Sie kennen die Kritik: „Gewinne werden kapitalisiert, Verluste werden sozialisiert.“ Die Freigabe des HdI mit seinem Areal als Spekulationsobjekt wird von den Freien Wählern grundsätzlich abgelehnt. Wir erwarten noch die Darstellung der HdI-Problematik innerhalb der vom letzten Rat beschlossenen Informationsveranstaltung für den Bürger. Es ist ja vom Staatsbad eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden, die sich mit der zukünftig gedachten Nutzung der Grundstücke um den Theaterplatz befasst. Nach ihrer Vorstellung wird sicherlich auch eine rege Diskussion innerhalb unserer Bürgerschaft einsetzen.

Die Neuaufstellung der Bebauungspläne, allen voran für die Siedlung, ist richtungsweisend für die Zukunft. Hier wurde schon vieles erarbeitet, das aus unserer Sicht vor gar nicht so langer Zeit kaum denkbar schien. Wir halten daran fest, den Bürger in diesen Fragen weiterhin durch absolute Transparenz an den Planungen und Entscheidungen zu beteiligen.

Die Golfplatzerweiterung ist aus unserer Sicht vom Tisch. Das Bürgervotum war eindeutig und der Rat hat danach seine Entscheidung gefällt. Die Begründung des Landkreises für die Ablehnung des Bauantrags halte ich, im Gegensatz zu einigen anderen, für nachvollziehbar. Da auch ich öffentlich bekundet habe, dass die Opferung der beiden Rad- und Wanderwege für den Ausbau des Golfplatzes von uns abgelehnt wird, hat es mich gefreut, dass auch der Landkreis darin das „K.O.-Kriterium“ schlechthin sah.

Das Thema „Trümmergrundstück und 5-Sterne-Hotel“ geht in die nächste Runde. Der Standpunkt der Freien Wähler ist und bleibt in dieser Hinsicht: „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“. Da lassen wir uns auch nicht durch die Verbalattacken des ehemaligen Hauptverwaltungsbeamten Aldegarmann im „Ostfriesischen Kurier“ aus der Ruhe bringen. Ich fordere Sie deshalb auf: Halten Sie sich doch bitte mit Ihren Hüftschüssen gegen die politischen Kontrahenten wegen angeblicher Tatenlosigkeit zurück, wenn es um eine wie auch immer geartete Entwicklung der Zukunft eines Fünf-Sterne-Hotels geht. Da gibt es einiges wieder gutzumachen!

Der Bürger ist bereit, Mitverantwortung zu übernehmen. Das sollten wir ausdrücklich begrüßen. Erfreulich finden wir deshalb auch die Gründung des Netzwerks Triple N, wie das auf dem Jugendforum der Freien Wähler vom letzten Jahr bereits vorgetragen worden war.

Wenn junge Menschen selbst etwas unternehmen, sollten sie sich auch der Unterstützung aus Verwaltung und Politik im angemessenen Rahmen sicher sein.

Die Stadt Norderney mit ihren Mitarbeitern hat aus unserer Sicht im vergangenen Jahr wieder gute Arbeit geleistet. Was deren Arbeitnehmer betrifft, wurde das Thema Tarifgerechtigkeit innerhalb der Stadt und ihrer Gesellschaften bereits durch die Personalvertretungen in den ersten Aufsichtsratssitzungen zur Sprache gebracht. Die Freien Wähler sagen hier eine konstruktive Mitarbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu.

Zur Verkehrsproblematik haben wir alles gesagt. Unsere Standpunkte sind bekannt und wie gesehen, auch mehrheitsfähig.

Ein letztes: Seit vorgestern geistert durch die verschiedenen Medien die Angleichung der Strandgebühr, die das Land Niedersachsen bislang von den Ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog erhebt. Nur Wangerooge, dessen Strand dem WSA des Bundes gehört und Norderney, welches bis dato als Staatsbad davon ausgenommen war, brauchten diese Gebühr nicht zu bezahlen. Es heißt, dass das Landwirtschaftsministerium Eigentümer der Strandflächen sei, die den Inseln zu „gewerblichen Nutzung“ zur Verfügung gestellt werden. Der Sprecher des Ministeriums, Christian Wittenbecher, sagt, das die Erhebung einer Gebühr ein völlig normaler Vorgang sei. Wie hoch die Konzessionsabgabe für die Inseln sei, hänge von der jährlichen Gästezahl ab und dann kündigte er bis 2015 eine einheitliche Regelung an. Dann müssen möglicherweise auch die letzten beiden Inseln, nämlich Norderney und Wangerooge, bezahlen. Ähnliche Pläne hat das Land bei der Überarbeitung der Wegeverträge mit den Inseln: Für die landeseigenen Dünenwege sollen die Inseln künftig eine Jahrespauschale zahlen und zusätzlich Pflege und Unterhalt komplett finanzieren. Die Freien Wähler plädieren dafür, sich die Rechtsgrundlagen präsentieren zu lassen, nach denen ein solches Vorgehen abgesichert ist. Wir lehnen die Zahlung einer Strand- und Wegegebühr grundsätzlich ab. Evtl. sollte man im Verbund aller Ostfriesischen einen Musterprozess gegen das Land Niedersachsen führen.

Die Freien Wählern reichen allen die Hand, die bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir haben ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Insel und wir wollen mit allen, die das gleiche Ziel haben, eine nachhaltige Politik betreiben, die auch den gegenwärtigen Personen ein friedliches und glückliches Zusammenleben und den kommenden Generationen eine dementsprechende Perspektive nach uns eröffnet.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

Anmerkungen zu den Änderungen des Bebauungsplans Nr. 25 B „Nordhelm-Mitte“

Die Planungsphase der Änderungen des B-Planes Nr. 25 B- „Nordhelm-Mitte“ tritt jetzt in die entscheidende Phase. Die nach dem BauGB dazu auch vorgesehene Beteiligung der Öffentlichkeit ist abgeschlossen. Bemerkenswert dabei ist, dass bei den vorgesehenen Änderungen im Bebauungsplan Forderungen der FWN zur Verhinderung eines weiteren Ausverkaufs unserer Insel durch Immobilienspekulanten und „Betongoldanleger“ in Ferienzweitwohnungen umgesetzt werden, wofür sie in der letzten Legislaturperiode und auch im letzten Kommunalwahlkampf 2011 noch vom Bürgermeister und den anderen Ratsfraktionen stark kritisiert wurden. Das lässt sich alles nachlesen in unserem Archiv.

Was angeblich bis dato rechtlich nicht möglich war, geht jetzt auf einmal doch, obgleich die Rechtslage sich nicht geändert hat. Die jetzt insoweit vorgesehenen Änderungen des Bebauungsplanes 25 B – „Nordhelm-Mitte“ durch zum ersten Mal vorgenommene planerische Festsetzungen von gebotenen und verbotenen  unterschiedlichen Wohnungsnutzungen bei einem Wohngebäude, wie z. B. als Ferienwohnung oder als Dauerwohnung, könnten ein neuer Maßstab und auch Muster für alle weiteren Bebauungspläne und deren Änderungen werden. Bis jetzt hatte bekanntlich die Stadt insoweit keine Differenzierungen bzgl. unterschiedlicher Wohnarten rechtlich vorgenommen. Die für Norderney und seine verhängnisvolle Entwicklung ihres  Ausverkaufs im privaten Wohnungsmarkt von Stadt über Jahrzehnte hinweg verkündete  rechtsirrige Parole lautete bekanntlich:  „Wohnen ist gleich Wohnen“.

Der FWN-Kreistagsabgeordnete Hayo Moroni, der in der vergangenen Legislaturperiode als Ratsherr der Stadt Norderney über viele Jahre hinweg versuchte, die Stadt von ihren fatalen Rechtsansichten in einer Wohnungspolitik zu Lasten der Norderneyer und deren Kinder und Kindeskinder abzubringen, stieß bis dahin überwiegend auf taube Ohren, was großteils bis heute auch noch fortwährt. Entsprechend hat Rechtsanwalt Hayo F .Moroni sich gerade auch zu den jetzt vom Bürgermeister und seiner Verwaltung vorgesehenen Änderungen des Bebauungsplanes 25 B -„Nordhelm-Mitte“ so seine Gedanken gemacht und gegenüber der Stadt vorgetragen.

Hayo Moroni – Anregungen u. Bedenken- B-plan 27.01.2012

Etwas Nachdenkenswertes zum Wochenende

Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank

Worauf mag die Gabe des Fleißes,
die der Deutsche besitzt, beruhn?
Deutsch sein heißt (der Deutsche weiß es)
Dinge um ihrer selbst willen zu tun.

Wenn er spart, dann nicht deswegen,
dass er später davon was hat.
Nein, ach nein! Geld hinterlegen
findet ohne Absicht statt.

Uns erfreut das bloße Sparen.
Geld persönlich macht nicht froh.
Regelmäßig nach paar Jahren
klaut ihr’s uns ja sowieso.

Nehmt denn hin, was wir ersparten!
Und verludert’s dann und wann!
Und erfindet noch ein paar Arten,
wie man pleite gehen kann!

Wieder ist es euch gelungen.
Wieder sind wir auf dem Hund.
Unser Geld hat ausgerungen.
Ihr seid hoffentlich gesund.

Heiter stehn wir vor den Banken.
Armut ist der Mühe Lohn.
Bitte, bitte, nichts zu danken!
Keine Angst, wir gehen schon.

Und empfindet keine Reue!
Leider wurdet ihr ertappt.
Doch wir halten euch die Treue.
Und dann sparen wir aufs neue,
bis es wieder mal so klappt.

Erich Kästner.

Er versah das Gedicht mit der Anmerkung: Das Gedicht bezieht sich auf den großen Bankkrach im Sommer 1931. Das soll aber beileibe nicht heißen, dass es veraltet ist.

Aus dem Buch: „Bei Durchsicht meiner Bücher“ , 1946 by Atrium Verlag A.G., Zürich
– Eine Auswahl aus vier Versbänden, die vor 1933 erschienen waren -. Im Vorwort schreibt Kästner, dass „seine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster feierlichem Pomp verbrannt wurden. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend bei Namen.  Ich war der einzige der Vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen.“ 

Bürgerbefragung ergibt fast Zweidrittelmehrheit gegen den Ausbau des Golfplatzes

Die Bürgerbefragung, ob der Golfplatz Norderney auf eine 18-Loch-Anlage erweitert werden soll, erbrachte fast eine Zweidrittelmehrheit (1500 zu 845) der Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen eine solche Erweiterung aussprachen. Damit wurde den Ratsmitgliedern des alten Rates, die am Mittwoch, den 19.10. 2011, zur Ratssitzung zusammenkommen, zwar ein klares Signal geliefert, wie die Stimmung in einem großen Teil der Bevölkerung ist. Das aber ist nur der erste Schritt.

In einem zweiten Schritt wird unter Punkt 11 der Tagesordnung die „Beschlussfassung über die Herstellung des Einvernehmens zum Bauantrag des Golfclubs Norderney e.V. zur Golfplatzerweiterung“ erfolgen. Deswegen sei an dieser Stelle noch einmal an den § 39 Abs. 1 der Niedersächsischen Gemeindeordnung erinnert, dessen Text lautet: „Die Ratsmitglieder üben ihre Tätigkeit im Rahmen der Gesetze nach ihrer freien, nur durch die Rücksicht auf das Gemeinwohl geleiteten Überzeugung aus. Sie sind an Verpflichtungen, durch welche die Freiheit ihrer Entschließungen als Ratsmitglieder beschränkt wird, nicht gebunden.“

Die Wahlbeteiligung der stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger an der Befragung lag bei knapp 47 Prozent. Die Fürsprecher der Erweiterung werden darauf hinweisen, dass damit über 53 % der Bürger gar kein Votum abgegeben und damit dann doch den Ratsmitgliedern die endgültige Entscheidung überlassen haben. Offensichtlich schritten überwiegend Bürgerinnen und Bürger zur Wahl, die als Pro- und Contragruppen  öffentlich in den vergangenen Monaten und Wochen großes Engagement gezeigt haben. Hier haben sich die Erweiterungsgegner dann aber klar durchgesetzt.

Eines steht auch fest: Es besteht weder für die eine noch die andere Seite bereits Grund zum Frohlocken oder Wehklagen, denn die Bürgerbefragung ist kein vorweggenommenes Ergebnis! Die alleinige Entscheidung über die Erteilung des Einvernehmens zum Bauantrag  des Golfclubs liegt beim Rat alter Zusammensetzung. Und hier sind jetzt vermutlich die Ratsfrauen und Ratsherren gefragt, die sich bislang „in Deckung“ gehalten haben.

Das Ergebnis der Beschlussfassung des Rates ist somit noch völlig offen und es verspricht eine spannende Sitzung zu werden. Man darf davon ausgehen, dass es sehr knapp zugehen wird, anders als es sich heute darstellt.

Bundesvorstand der Freien Wähler tagt auf Norderney

Die Geschäftsführerin des Bundesvorstandes der Bundesvereinigung der Freien Wähler, Cordula Breitenfellner, teilte mit, dass unsere schöne Heimatinsel als Tagungsort ausgewählt worden ist. Die Tagung wird von Freitag, den 4.11. bis Sonntag, den 6.11. 2011, stattfinden. Ihr Ziel für die Teilnehmer ist es, das Wahlprogramm der Freien Wähler anlässlich der Bundestagswahl 2013 genauer auszuarbeiten, an der diese erstmals teilnehmen werden. Dafür wurden mittlerweile alle wahlrechtlichen Voraussetzungen geschaffen und gesetzlichen Vorgaben erfüllt.

Der Landesgeschäftsführer Arnold Hansen erklärte, dass es Ziel der Freien Wähler sei, die Regionalität und Entscheidungsfreiheit der Kommunen zu fördern und die reine Delegation von oben nach unten zu hinterfragen. Denn ob ein Gesetz gut oder schlecht gemacht ist , fällt zuerst in den Kommunen auf. Da die Bundespolitik so nicht mehr hinnehmbar sei, haben sich die Freien Wähler dazu entschlossen, nicht mehr nur auf kommunaler Ebene zu agieren.

Cordula Breitenfellner ist sich sicher, dass von der Klausur auf der Insel gute Ergebnisse zu vermelden sein werden. Gewünscht sind auch Gespräche mit den Norderneyer Bürgern und Urlaubern. Dafür soll am Sonnabend, den 5. November 2011, von 11.00 – 12.30Uhr, im Conversationshaus am Kurplatz ein öffentliches Forum stattfinden, von dem man sich eine rege Beteiligung wünscht.

Um 13.00 Uhr wollen die Mitglieder der Bundesvorstands der Freien Wähler sich dann mit Interessierten zu einer zweistündigen Wanderung entlang der Dünen bei den Bänken am Campingplatz Um Ost, an der Ecke zum Postweg treffen.

Ein (fast) wahres Märchen: Die Trolle im Norderneyer Moorwäldchen

Was verstehen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, unter einem Troll? Denken Sie da nicht auch erst einmal an schaurig-schöne Geschichten über Waldgeister, die den skandinavischen Märchenwäldern entspringen? Diesen Wesen möchte ich nicht zu nahe treten, wenn ich etwas über „Trolle im Internet“ erzähle.

Diese Trolle, die dort ihr Unwesen treiben, werden durch das Betätigen der PC-Tastatur geschaffen. Ihre geistigen Väter betrauen sie mit einfachen und schwierigen Aufgaben, die sie auf den Blogs verschiedener Homepages zu verrichten haben. Die einfach gestrickteren Naturen unter den Trollen geben sich in der Regel damit zufrieden, auf mehr oder minder derbe Art zu provozieren und Reaktionen wie Richtigstellungen oder vielleicht sogar Beschimpfungen auszulösen – damit haben wir „Heuer“ immer zu tun ;-).

Und dann gibt es die Spezies der listigen Miesmacher-Trolle, die als „Sockenpuppen“ ihre Erfüllung darin finden, Streit und Uneinigkeit sowie schnellwachsendes Misstrauen zu säen und damit Gruppen von Blog-Nutzern zu verunsichern. Sie benutzen nicht leicht zu erkennende Lügen, Übertreibungen, Verunglimpfungen oder einfach nur Weglassungen dazu, eigentlich klar dargelegte Sachverhalte in einem düsteren Licht erscheinen zu lassen und Menschen mit anderer Meinung zu diskreditieren. In der verschworenen Gemeinde der listigen Miesmachertrolle nennt man diesen Vorgang – natürlich die wahren Absichten verschleiernd – „wrobeln“. 

Im Cyberspace gibt es das Norderneyer Moorwäldchen (abgekürzt: „NoMoWä“). Dessen nicht unumstrittener Besitzer und seine devoten Helferlein sind geradezu erpicht darauf, diesen Bereich mit immer mehr Trollen der letztgenannten Art zu bevölkern. Manchmal verirren sich auch ganz normale, gutmeinende Meinungsäußerer im Dunstkreis des „NoMoWä“ und diskutieren mit den Sockenpuppen, als ob dahinter Menschen aus Fleisch und Blut, mit Verstand und Herzenswärme stünden. Seicht wrobelnd geben die Trolle sich natürlich nicht zu erkennen und schicken diese Menschen mit leisem Gekicher selbst im Sommer immer wieder aufs Glatteis.

Und wie erkennt man diese Trolle? Das ist zugegebenermaßen gar nicht so einfach, denn sie Verwenden zum „Trollen“ oft mehrere Fake-E-Mail-Adressen z.B. bei kostenlosen Webmail-Providern. Allerdings haben sich Menschen, die unter den Trollen massiv auf ihren Blogs zu leiden hatten, ein schönes Zeichen ausgedacht, womit ehrliche und aufrichtige Diskussionsteilnehmer gewarnt werden. Troll-Beiträge werden nämlich mit einem ASCII-Art-Fisch, auch „Roter Hering“ genannt, gekennzeichnet.

Am Eingang des „NoMoWä“ hatte eines Tages dann doch auch tatsächlich jemand folgendes Schild aufgestellt:

„ACHTUNG! ACHTUNG! Sie begeben sich in eine besondere Märchenwelt!><((((o>   ><((((o> ><((((o>   ><((((o>   ><((((o>  ><((((o>   ><((((o>   ><((((o>               ><((((o>        ><((((o>      ><((((o>      ><((((o>    ><((((o>         ><((((o>      ><((((o> BENUTZUNG NUR AUF EIGENE GEFAHR!!!

So wurde der Kreis derer, die das „NoMoWä“ betraten, immer kleiner, was den dort lebenden Trollen fortlaufend ihre Energie entzog. Sie wichen schmollend immer weiter zurück, weil niemand sie mehr ernst nahm und sich über sie ärgerte, was doch ihr eigentliches Lebenselixier war. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute…

Neugierig geworden? Dann weise ich auf diesen Artikel im Internet hin:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/meinung-im-internet-vom-elend-der-nutzerkommentare-1.1147168

Viel Vergnügen und eine gute Prise Nachdenklichkeit.