Schlaraffenland Nordseeinseln?

„Immobilienkäufer stürmen die Nordseeinseln“, so titelt Susanne Osadnik im Finanzteil von WELT ONLINE. Wenn der geneigte Leser fragt, worum es denn bei dem seit drei Jahren schwelenden Streit über eine bessere Baupolitik auf Norderney geht, findet er auch in diesem WELT ONLINE-Beitrag etliche Antworten. Platt ausgedrückt: Es geht um „Kohle“, – nicht um peanuts – sondern um richtige „Kohle“! Und das zu Lasten der einheimischen Bevölkerung.

Die Redakteurin von WELT ONLINE weist darauf hin, dass deutschlandweit die Immobilienpreise einbrechen, die Nordseeinseln dagegen sich vor dem Ansturm der Käufer kaum retten können. Wörtlich: „Egal ob zubetoniert oder 70er-Jahre Bau: Bei der Suche nach Ferienimmobilien wird jeder Preis gezahlt. Gekauft wird alles, was der lokale Markt hergibt.“

In ihrem Artikel spricht Osadnik davon, dass die deutschen Nordsee-Eilande einen gnadenlosen Ansturm auf ihre teils schaurig zubetonierten Dörfer und Gemeinden erleben. Die Immobilienmakler sollen hinter vorgehaltener Hand „vom Geschäft ihres Lebens“ reden und von Umsätzen, die schon im Juni (!) die Ganzjahresergebnisse von 2008 in den Schatten stellen. Das Angebot sei an manchen Orten jedoch sehr knapp, die Nachfrage aber riesig.

Dann werden der Sylter Makler Erik Wedell und das deutsche Martha’s Wynegard zitiert, die auf die schier unglaubliche Immobilienpreisentwicklung auf den nordfriesischen Inseln eingehen. Und dann heißt es wieder wörtlich: „Immer mehr Festlandbewohner zieht es nach Sylt, die Insulaner indes streichen die Segel. Denn der Sommerhort für Industrielle, Reeder, Verleger und Stars ist schlicht unbezahlbar geworden. In List soll deshalb künftig auch Wohnraum für Einheimische entstehen – zu Preisen, die mit normalen Gehältern zu bezahlen sind.“

Unser geliebtes Norderney ist in vielen Bereichen mit der großen Schwester im Nordosten zu vergleichen. Das sieht auch die WELT-Redakteurin so. Sie sagt, dass das, was die nordfriesischen Inseln für Immobilien-Anleger so interessant macht, auch für die kleineren ostfriesischen Geschwister gilt. Weiter führt sie aus, dass auch Norderney zahlreiche Bausünden aus der Vergangenheit verunstalten, dieses dem Run auf Ferienimmobilien aber keinen Abbruch tue.

Dann wird Ines Kirch von Engel & Völkers zitiert: „Viele Eigentümer verkaufen jetzt ihre Wohnungen aus den 70er Jahren und kaufen eine größere Neubauwohnung. Die meisten Verkäufer bleiben somit ihrer Insel treu.“ Sie stellt auch fest, dass gekauft wird, weil Ferienimmobilien als gute Altersvorsorge gelten, – allemal besser, als in Aktien zu investieren. Die Wunschpalette sei fast immer dieselbe: eine 3-Zimmer-Wohnung mit zwei Schlafzimmern.

Um was für Geschäfte es geht, wird aus den Aussagen von Frau Kirch gegenüber WELT-ONLINE deutlich. Die Kapitänshäuser im „historischen Stil“ (?) auf Norderney hätten preismäßig noch zu Baubeginn zwischen 380.000 und 400.000 Euro gelegen, jetzt müssten bereits 530.000 bis 550.000 Euro für das Kleinod hingelegt werden. Noch ein wörtliches Zitat: „Es ist gut, dass die Zeit hier nicht stehen bleibt und sich immer wieder ein Investor findet, um einen alten ‚Schandfleck‘ zu entfernen, um neuen Wohnraum zu schaffen.“ Dadurch würden die Standorte aufgewertet – etwa durch Neubauprojekte wie der Düsseldorfer Hof, wo Wohnraum für bis zu 6.800 Euro je Quadratmeter entsteht. Muss ein Einheimischer die Ansichten der Immobilienhändler teilen?

Wir empfehlen den Besuchern unserer Homepage, sich diesen Artikel auf WELT ONLINE einmal anzuschauen. Jeder und jedem sollte eines deutlich werden: Das, was auf den nordfriesischen Inseln mit deren Einwohnern geschehen ist, geschieht seit mehr als einem Vierteljahrhundert auch auf Norderney. Behauptete Vermeidungsstrategien entpuppen sich bei näherem Hinsehen als reine Lippenbekenntnisse.Die Sylter Verantwortlichen in Politik und Verwaltung haben dem totalen Ausverkauf ihrer Insel mit der Verabschiedung zahlreicher Bebaungspläne  den Kampf angesagt. Das muss endlich auch auf Norderney geschehen. Dabei geht’s nicht so sehr um uns als um die Zukunft unserer Kinder und deren Nachkommen. Es ist schon 5 nach 12!